Flussradtour

. Mosel - Saar - Oster - Glan - Nahe - Rhein .

Oktober 2004

 

Tag Strecke Distanz Durchschnitt
20.10.2004

Koblenz - Ediger-Eller

Kobern/Gondorf - Cochem

64,5 km 18,3 km/h

 

Um 11.47 Uhr nehme ich von Bochum aus den IC, der um 13.46 Uhr den Koblenzer Hauptbahnhof erreicht. Es nieselt, und ich stelle fest, dass ich die Luftpumpe vergessen habe. Erstmal eine Luftpumpe gekauft, um nicht in der Einöde nach einem Platten luftlos dazustehen (ich habe sie nicht gebraucht und nun eine über). In Koblenz regnet es noch stärker und erstmal muss die Regenjacke und die Neoprenschuhe übergezogen werden.

Mit dieser Ausrüstung kann man noch ganz gut im Regen fahren, störend sind nur die Wassertropfen auf den Brillengläsern, die die Sicht behindern. Trotz des Regens ist die Temperatur ungewöhnlich hoch. Von dem Koblenzer Bahnhof aus geht es nördlich zurück zur Moselbrücke. Auf der linken Moselseite kann man teils direkt an der Mosel teils auf nicht besonders attraktiven Straßen durch die Koblenzer Vororte fahren. Erstmal raus aus Koblenz.

Schloss von der Leyen bei Kobern-Gondorf    
Der Radweg verläuft meistens als Fahrradstreifen am Rande der B416 entlang. Nach einigen Kilometern sind die riesigen Stelzen der Autobahnbrücke der A61 als markante Landmarke erkennbar. Danach wird als erstes richtiges Weindorf Kobern-Gondorf durchfahren. An den Moselhängen wird Wein angebaut, teilweise in extremen Steillagen, die nur noch mit Zahnradbahnen bewirtschaftet werden können. Der größte Teil der Weinreben ist abgeerntet, doch in einigen Lagen hängen die Trauben noch und die Winzer hoffen wohl auf eine attraktive Spätlese.

Der Regen hört auf, so dass Gamaschen und Regenjacke erstmal verstaut werden können (wurden auf der Tour auch nicht mehr benötigt). Uns so wird’s dann richtig romantisch im Moseltal. Die Verkehrsdichte auf der Straße ist erträglich und Radler sind an dem Spätnachmittag im Oktober und nach dem Regen kaum mehr unterwegs.

Auf der Internetseite www.moseltouren.de sind detaillierte Beschreibungen der Moselorte zu finden, so dass ich mir hier näheres ersparen kann. Nach 50 km Moselfahrt erreicht man Cochem. Dies ist wohl neben Bernkastel der belebteste und touristisch erschlossenste Weinort an der Mosel. Die größte Zahl der dortigen Besucher gehört eher der älteren Generation an. Da ich die Mosel schon öfters beradelt habe und um etwas Zeit für noch unbekanntes Terrain rauszuholen, entschließe ich mich, eine Abkürzungen nehmen. Außerdem muss man sich auch mal mit einem Berg auseinandersetzen.

  Eisenbahnbrücke bei Ediger-Eller
Hierfür bietet sich gerade das Teilstück zwischen Cochem und Ediger-Eller an. Statt 22 km an der Mosel können 7 km durch die Berge ausreichen, um die Moselschleifen abzuk1rzen. In dem Vorort Sehl geht es rechts ab und gleich steil bergan, 8 .. 10 % über eine längere Strecke sind schon drin. Bei meinem Gepäck (ich habe ja immer den Vorsatz, dass ich mal weniger mitschleppen möchte – ich schaffe es nicht) lege ich erstmal Helm und Übertrickot ab, und nach den ersten Eingewöhnungshundertmetern findet man den richtigen gleichmäßigen Tritt. Am Ellerberg, dem Ende der Steigung, stelle ich fest, dass die Straße nach Eller gesperrt ist. Aber eine gesperrte Straße ist für den Radler meist der beste Weg, da man darauf vertrauen kann, dass der Autoverkehr außergewöhnlich gering ist. Jedenfalls gings auf der schmalen Straße rasant bergab nach Eller.
Weinkeller der Pension
Tag Strecke Distanz Durchschnitt
21.10.2004

Ediger-Eller - Trier

Traben-Trabach - Bernkastel-Kues

115 km 18,2 km/h

 

Ich habe gut geschlafen und beim Frühstück regnet es noch heftig. Um 9 Uhr zeigt das Thermometer bereits 15C und der Regen hört auf. Es ist ungewöhnlich schwül. Zum Glück habe ich auch an eine kurze Fahrradhose gedacht, die ich dann auch gleich anziehe. Auf Radwegen, meistens etwas abseits der Autostraße, geht es Richtung Zell. Dort liegt eine sehr enge Moselschleife, die abgekürzt werden kann. An dem Kreisverkehr von Bullay nimmt man hierfür den für den allgemeinen Verkehr gesperrten Weg.
Bremm  
Oberhalb von Pünderich hat man einen schönen Überblick, wobei ich mich erstmal orientieren musste, in welche Richtung nun die Mosel überhaupt fließt. Dann geht es auf der schwach befahrenen Straße nach Traben-Trabach. Hinter Kröv wird die Moselseite gewechselt, und es folgt hier der für den Radfahrer wohl angenehmste Teil des Moselradweges. Zuerst wird noch das belebte Bernkastel durchquert. Bis 10 km vor Trier verläuft der Radweg meistens abseits der Autostraße entlang. Das Flusstal wird breiter, und es macht sich jetzt heftiger Gegenwind unangenehm bemerkbar. Je nach Ausrichtung der Moselschleife ist der Wind unterschiedlich stark.
  Pünderich
Bei Trittenheim ist der Moselweg eigentlich gesperrt, es fehlt aber ein Hinweis auf eine Umleitung. Irgendwie geht’s dann durch die Baustelle. Da der Radweg nicht immer schnurstraks an der Mosel entlang verläuft, sondern auch mal in Dörfern und Weinbergen einen etwas anderen Verlauf nimmt, muss man schon auf die Ausschilderung achten. Manchmal wird das runde Mosel „M“ benutzt – aber nicht durchgehend. Oft ist auch eine Stadt ausgeschildert, die den Radwegverlauf anzeigt. Diese Hinweisschilder sind grün und tragen eine weiße Schrift. Aber in den Orten sind die Hinweisschilder zu Pensionen und Hotels genauso ausgeführt, so dass man an einem Schilderwald vorbeifährt, ohne den gesuchten Hinweis auf den Radweg im Vorbeifahren finden zu können.

Pause an der Mosel

 
Vor Mehring überholt mich ein Winzer mit seinem Traktor und 2 Anhängern. In dem letzten – mit Stühlen und Tisch bestückt – sitzen zwei polnische Erntehelfer. Ich hole das Gespann wieder ein, da es optimalen Windschatten bietet. Mit 28 – 30 km/h geht es dann auf dem Uferweg entlang. Die beiden Polen bieten mir eine Wasserflasche an, aber die während der Fahrt anzunehmen ist doch etwas zu heikel. Offensichtlich unterhalten die beiden sich wohl über mich – aber den Inhalt ihrer Konversation kann ich nicht verstehen. Bei der rasanten Fahrt verpasse ich dann die eigentlich für Radler sinnvolle Moselüberquerung, um auf Nebenwegen auf der linken Moselseite nach Trier zu gelangen. Ab Schweich verläuft nämlich die Autobahn in der Nähe des rechten Moselufers entlang und parallel dazu liegt auch noch die B52. Den größten Teil der 10 km bis Trier muss ich auf der stark befahrenen Bundesstraße zurücklegen. An dem Trierer Verteilerkreis bündelt sich der Verkehr von Autobahn und Bundesstraße – aber danach hat man bald das Zentrum erreicht.
  Sonnenuhr im Weinstock
Die Jugendherberge in Trier ist belegt, aber ich komme im Kolpinghaus – dem Warsberger Hof – unter. Diese Haus ist zentral gelegen – 100 m vom Hauptmarkt entfernt. Am Abend ist noch etwas Zeit, Trier zu besichtigen – diesmal aber im Dunkeln.
Porta-Nigra  
 
Tag Strecke Distanz Durchschnitt
22.10.2004

Trier - Saarbrücken

Saarburg - Mettlach - Merzig - Saarlouis - Völklingen

109,1 km 18,7 km/h

 

Am nächsten Morgen noch ein kurzer Blick auf die Trierer Innenstadt und dann geht es auf dem breiten Moselrad zu der 10 km entfernten Saarmündung.
Der Hauptmarkt in Trier    
In der Karte ist als Radweg das rechte Saarufer angegeben; ich wähle aber die linke ausgeschilderte Flussseite. Der Radweg ist gut, teils asphaltiert oder wassergebundene Oberfläche. Es ist weiterhin sehr warm, kurze Hose und kurzes Trikot sind ausreichend. Die Flusslandschaft ist vergleichbar mit dem Moselufer, es ist noch etwas ruhiger. Auf im oberen Flusstal wird Wein angebaut. Zu der Jahreszeit nehmen die Blätter in gelbe und rötliche Farbtöne an. Der erst größere Ort ist Saarberg, das sich vom Fluss als einladend präsentiert.
  Saarburg
Hinter der Staustufe von Serrig geth es kurzzeitig auf die rechte Saarseite. In Saarhölzbach geht es über die Holzbrücke wieder zum linken Flussufer. Dort führt der Weg etwas bergan, an der Kapelle hat man einen herrlichen überblick über die Saar.
Saarschleife  
Dann geht es wieder bergab nach Mettlach, die Stadt, die durch die Porzellanmanufaktur Villeroy & Boch geprägt ist.
  Blick über die Saar
Gleich anschließend folgt der wohl schönste Teil der Saar. Die anschließende Saarschleife ist verkehrsfrei und verläfut zwischen steilen Hängen.
Saarschleife oberhalb von Mettlach  
Nächster größerer Ort ist Merzig. Hier öffnet sich das Flusstal und die Berge treten zurück. Der Fluss verläuft nunmehr gradlinig ohne Ausbildung engerer Schleifen. Aus dem beschaulichen Flusstal entwickelt sich immer mehr eine Industrielandschaft, die durch Fabrikhallen, Zechen und Verkehrsflächen geprägt wird.
  An der Saar oberhalb von Merzig
Völklinger Hütte
Höhepunkt ist die Stadt Völklingen. Das stillgelegte Stahlwerk mit den prägenden Hochöfen, die an der Spitze gewinkelte Gichtgasleitungen tragen, sind von weitem zu erkennen. Ich hatte mir vorgenommen, das Stahlwerk zu besichtigen. Ich komme um 15.30 Uhr dort an, so das noch ausreichend Zeit zur Verfügung steht. Das Stahlwerk ist in den 80er Jahren stillgelegt worden, und ist ein vollständig erhaltendes Ensemble. Neben den 5 Hochöfen, den Fördereinrichtungen, Nebenaggregaten, Bunkern und Gasleitungssystem ist die Kokerei erhalten. Das Gasmaschinengebäude kann nur zu einem kleinen Teil im Rahmen der Hüttenbesichtigung besucht werden, da der größte Teil des Gebäudes für eine Inka-Ausstellung genutzt wird. Soweit man sich nicht mit jedem Detail beim Rundgang beschäftigt, sind 2,5 Stunden für die Besichtigung ausreichend. Um 18 Uhr verlasse ich die Hütte, es wird bald dunkel und ich lege das Teilstück bis Saarbrücken mit Beleuchtung zurück.
  Die Kokerei der Hütte

 

Tag Strecke Distanz Durchschnitt
23.10.2004

Saarbrücken - Rüdesheim

Neunkirchen - Thallichtenberg - Meisenheim - Bad Kreuznach

155,1km 19,0 km/h

 

Am Abend gehe ich nochmal nach Saarbrücken zum essen herunter (Jugendherbergen liegen immer auf dem Berg). Morgens um 9 Uhr geht’s weiter, und es ist gleich Schluss mit lustig; es geht bergan. Der kürzeste Weg nach Neunkirchen wäre die B41, die aber für den Fahrradverkehr gesperrt ist. Ich erwische nicht ganz den optimalen Weg; von Dudweiler fahre ich erstmal östlich nach St. Ingbert und über Spiessen nach Neunkirchen. Vorher muss aber noch der heftige Aufstieg – 10 % Anstieg sind es mindestens – im Bereich der Unterquerung der Autobahn A8 genommen werden. Dann geht es in Schussfahrt in das Neunkirchener Zentrum. Links der Straße steht das Schachtgerüst der Grube König und zentral in der Stadt stehe die Hochöfen der stillgelegten Hütte. Im Gegensatz zur Völklinger Hütte sind die Nebenanlagen weitgehend abgerissen worden und die verbleibenden Gebäude sind einer neuen Nutzung zugeführt worden.
Neunkirchen    
Aus Neuenkirchen heraus geht es zuerst nördlich auf einer großen Ausfallstraße und natürlich bergauf. Dann gehts rechts ab über Waldwege nach Hangard. Die saarländische Industriezone habe ich damit hinter mir gelassen, und die Besiedlungsdichte wird geringer. Es geht in dem schönen Ostertal weiter auf dem gleichnamigen Radweg. Der ist bestens ausgeschildert und es verläuft meistens abseits der Talstraße. Es geht über Fürth und Schwarzerden weiter.
  Das Ostertal
Vor Kusel, bei Thallichtenberg liegt die Burg Lichtenberg, die über eine steile Serpentinenstraße erklommen werden muss. Auf dem Burggelände mache ich eine Pause und anschließend unternehme ich einen Rundgang durch das Burggelände. Dort ist eine Jugendherberge angesiedelt.
Burg Lichtenberg  
Von dem Burgfried hat man einen guten Überblick über die Landschaft, die sich jetzt in den herbstlichen Farben präsentiert. Das Wetter ist weiterhin ausgezeichnet. Von der Burg aus geht es über einen Waldweg zur südlichen Spitze des Truppenübungsplatzes, und von dort geht es mit 12 % Gefälle in das Glantal.
  Blick von der Burg
Das Tal wird bis zur Einmündung der Glan in die Nahe durchfahren. Der Radweg verläuft meistens an der B420 entlang; der Verkehr ist aber nicht allzu stark. Streckenweise führt der Radweg an der stillgelegten Eisenbahntrasse lang. Die Gleise auf diesen Abschnitt (ca. 40 km) können mit Fahrraddraisinen befahren werden. Größere Orte auf dieser Passage sind Meisenheim und Odernheim.
Draisinenfahrt auf der Trasse der stillgelegten Glantalbahn  
Von dort geht es über die an dem Berghang gelegene Naheweinstraße, von der man einen weiten Ausblick hat. Hinter Durchroth erreicht man die Nahe und man ist wieder in einem Weinanbaugebiet angekommen.
  Bannmühle in Odernheim
Von dort aus folge ich dem Naheradweg bis nach Bingen. Die Ausschilderung des Weges an einigen Stellen ist unzureichend. Vor Nordheim positioniert sich noch mal ein steiler Berghang an dem Naheufer. Der Naheradweg führt weiter mit stetig leichtem Gefälle in Richtung des Rheins; Steigungen gilt es nicht mehr zu erzwingen.
Weinberge an der Nahe  
Der Radweg führt weiter nach Bad Münster. Die Innenstadt wird durchfahren und an dem Naheufer trifft man auf die Salinenanlagen. Bald erreicht man das mondäne Bad Kreuznach. Die Nahebogenbrücke aus dem 13. Jahrhundert mit den Häusern auf den Brückenpfeilern muss man sich erstmal näher anschauen: die Rialto-Brücke über die Nahe möchte man meinen.

Für die Besichtigung von Bad Kreuznach muss man sich eigentlich mal etwas mehr Zeit lassen. Dann beginnt es zu dämmern und ich schalte schon mal das Licht an (Die Verminderung der Fahrleistung bei Betrieb des Nabendynamos merkt man ja kaum). Der Radweg schlängelt sich auf Nebenstraßen an der Nahe entlang, als Ortsunkundiger kann man schon mal vor rechten Weg abkommen. Die Jugendherberge in Bingen wird z. Zt. renoviert, so dass ich mich für die JH in Rüdesheim als nächstes Ziel entscheide. In Bingen fahre ich auf der Hafenstraße zwischen Bahnhof und Rhein zur Rheinfähre. Auf der anderen Flusseite geht es durch Rüdesheim, wo ich mich erstmal verfahre und nach dem Weg fragen muss. Zum Schluss der Tour geht es noch mal steil in den Weinlagen bergan. Mit der Taschenlampe suche und finde ich den schlecht erkennbaren Abzweig zur Jugendherberge. Zur Ankunft erstmal ein „Einlaufbier“. Zum Glück ist die Küche noch geöffnet, so dass ich nicht noch mal ins Tal fahren muss. Von der Jugendherberge hat man einen weiten Blick über das Rheintal.

  Salinen von Bad Münster / Bad Kreuynach
Bad Kreuznach (Bogenbrücke)

 

Tag Strecke Distanz Durchschnitt
24.10.2004

Rüdesheim / Köln

Bacharach - St. Goar - Koblenz - Bonn

175,2km 21,3 km/h

 

Morgens um 9 Uhr habe ich die Jugendehrberge von Rüdesheim verlassen. Über dem Rhein lag eine Nebelbank, und ein blaue und rote töne lagen über der Landschaft. Erst mal wieder den Berg runter und mit der Fähre habe ich auf die linke Rheinseite übergesetzt. Dort verläuft der Radweg zuerst meistens an der B9 entlang.

  

Morgennebel über dem Rheintal bei Bingen    
Bald tauchen auch die ersten Burgen auf. Streckenweise verläuft der Radweg etwas abseits der Straße zum Rhein hin. Aber hinter Bacharach wird das Flusstal beeindruckender aber auch immer enger, so dass der Platz für die Verkehrsarten, Eisenbahn, Autostrasse und Fahrradweg auch geringer wird. Man durchfährt Bacharach und Oberwesel, die Orte laden zum Verweilen und Fototermin ein.

Engste Stelle ist dann die Loreley und St. Goar. Die Qualität des Radweges ist unterschiedlich, glatt asphaltiert, kürzere Schotterwege und durch Wurzelwerk stark puckelige Pisten. Das Wetter an dem späten Oktobersonntag ist wieder hervorragend, kurze Hose und kurzes Trikot reichen aus.

  Bacharach mit Burg Stahleck
.Der größte Teil des Weges ist als ausreichend breiter Radweg neben der Strasse angelegt. An dem Sonntag ist die Autoverkehrsdichte noch erträglich. In den touristischen Städtchen muss man als Radfahrer öfters die Straße benutzen, da der Uferweg nur für Fußgänger freigegeben ist. Das ist auch besser so, da das Fußgängergedränge an den touristischen Zentren und bei dem Sonnenwetter zu groß ist. Außerhalb der Zentren sind nur noch wenige Menschen unterwegs, die sich dann auch mal erschrecken, wenn ein Radler klingelt. Für ambitionierte Rennradfahrer ist der Radweg nicht geeignet, eher sind Tagesradfahrer und hin und wieder (an dem Gepäck erkennbar) Radtouristen unterwegs.
Rheinburg (welche ist es denn ?)  
Allmählich kommt Koblenz näher. Bei Oberwerth muss man den Fluss verlassen und etwas abseits fahren, da dort Hafenanlagen und Unternehmen liegen. Am kurfürstlichen Schloss stößt man wieder auch den Rheinuferweg; aber hier ist an einem schönen Sonntag der Bär los. Fußgänger umkurvend und manchmal klingelnd geht es mir Blick auf die rechtsrheinische Festung Ehrenbreitstein zum Deutschen Eck. Ein kurzer Gruß dem Wilhelm; dann ist der Kreis geschlossen. Die Brücke war nämlich der Startpunkt der Route. Aber da das Wetter weiterhin so gut mitspielt soll es noch weitergehen. Danach ist die Rheinfahrradroute miserabel ausgeschildert, und man muss eher der Nase folgen. Also immer schön rechts, bis man den Rhein wieder in Sichtweite hat. Der romantische Abschnitt ist erstmal vorüber.
  Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz
Andernach ist noch mal ein schönes Moselstädtchen; danach wird aber mit dem Radweg unangenehm. Hinter Andernach folgt ein Sand- und Grobsteinweg und danach lande ich auf der vierspurig ausgebauten Bundesstraße. Auf dem Seitenstreifen geht es zügig vorab. Ob die B9 hier für den Radverkehr gesperrt ist, ist nicht erkennbar – normalerweise wird dann immer ordentlich seitens der Autofahrer gehupt. Andere Radler radeln derweilen auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Jedenfalls ist es wohl so, je schneller der Autoverkehr desto schneller fahre auch ich. Das hängt wohl damit zusammen, dass man einen ruhigeren Pfad sucht. Wie bei so vielen Fernradwegen ist zu kritisieren: wenn der Radweg schlechter und die Wegstrecke unübersichtlich wird dann nimmt auch die Zahl der Hinweisschilder ab.

Jedenfalls bis Bad Breisig ist es nicht so der romantische Radweg. In Bad Breisig kommt man wieder an den Rhein, und im Ortsbereich hat man wieder das Problem mit den Fußgängern, die den Rheinuferweg in Beschlag genommen haben. Danach geht es zügig auf dem von der Straße abgelegenen Uferweg weiter nach Remagen. Zuvor wird die Ahr auf einer Holzbrücke überquert. Zügig geht es am späten Nachmittag nach Bonn. Hier kann man angenehm an den Villen und alten Regierungsgebäuden entlang radeln.

Reste der Brücke von Remagen  
Bei Mondorf überquere ich mit der Fähre den Rhein. Es wird 18 Uhr und es fängt an zu dämmern. Im Westen auf der anderen Rheinseite bei Wesseling liegt die DEA-Raffinerie, über der die Sonne untergeht. Licht einschalten und Reflektionsweste überziehen ist angesagt. Viele Radler fahren ohne Licht und sind auch wie die letzten Fußgänger schlecht zu sehen. An dem Ende des rechtsrheinschen Hafenbeckens endet vorerst der Uferweg. Die letzten 2 –3 km bis zum angepeilten Bahnhof Köln-Deutz müssen auf innerstädtischen Straßen zurückgelegt werden. Bei der Ankunft des Bahnhofs ist es dunkel und 175 km stehen auf dem Tacho.
  Abendstimmung am Rhein