| Tag | Strecke | Distanz | Schnitt |
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| 20.05.2001 | Iraklion-Dzermiado Limin Hersonisou - Stalida - Mohos - Krasi | 94,7 km | 14,8 km/h |
Von Iraklion aus nehme ich die "Old Road" Richtung Osten. Es geht wieder Richtung Flughafen und dann in der Nähe der Küstenlinie weiter. An dem Morgen wird es schnell ziemlich warm. Auch an dem Sonntag ist der Verkehr recht lebhaft. Es gibt kleinere An- und Abstiege, und man passiert kleinere Ferienorte. In Limin Hersonisou gehe ich schwimmen. Das Wasser ist noch recht kühl (schätze 18°C), aber nach den ersten 30 Kilometern ist das eine willkommene Erfrischung. Danach am Mittag ein Salat und griechischer Kaffee.
Das Tagesziel ist die Lasithiou-Hochebene - ja die mit den tausend Mühlen. Ich wähle die Straße von Stalida über Mohos, da sie in der Karte als untergeordnet ausgezeichnet ist. In der Mittagshitze bei ca. 30°C beginnt der Anstieg. Die Steigung liegt bei 4 - 8 %, und der Wasserverbrauch steigt ins unermessliche. Eine längere Pause lege ich in Krasi ein. Zuerst erfrische ich mich an dem kalten Quellwasser; der Brunnen liegt gegenüber der angeblich größten Platane Kretas.
Danach wird die Steigung der Straße extremer (bis 10%). Die höchste Stelle, der Pass von Ambelou, liegt bei 1050 Höhenmeter. Von dort hat man einen schönen Ausblick auf die Lasithiou-Ebene. Es kommt mir ein kühlender Wind von der Ebene entgegen; und die erste längere Abfahrt führt auf das Niveau des Plateaus. In Dzermiado quartiere ich mich im Hotel Kourties ein; der Preis ist relativ hoch (8000 dr.); vielleicht hätte man duch Verhandlen noch etwas herausschlagen können.
Ohne Gepäck drehe ich noch eine Runde auf der Lasithiou-Ebene. Die Dörfer befinden sich am Hang der Ebene, so dass das flache fruchtbare Land ausschließlich für die Landwirtschaft genutzt werden kann. Ich besuche unterwegs die Geburtshöhle Zeus´ bei Psihro.
Die Höhle besteht aus einem großen abfallenden Raum, Stalagniten und Stagnagliten sind im unteren Höhlenbereich gewachsen. Die Tagesausflügler sind verschwunden; und ich bin als Einzigster um 18.30 Uhr in der Höhle; muss mich aber beeilen, da um 19 Uhr geschlossen wird. Vor 13 Jahren musste man sich eine Kerze kaufen und auf glitschigen in den Fels geschlagenen Treppen in die Höhle hinabsteigen. Jetzt ist die Höhle elektrisch beleuchtet und die Stufen sind betoniert.
Es werden nur noch wenige Wassermühlen genutzt und mit Stoff bespannt. Die Gerippe der Mühlen stehen noch, aber sie verfallen zusehens. Das Wasser wird nun mittels elektrisch angetriebener Pumpen gefördert. Aber weiterhin wird auf Windkraft gesetzt; in den Bergen hinter Sitia sind große Windparks entstanden. Am Abend gehört die Ebene wieder den Kretern. Zum Essen gibt es einen griechischen Salat und Lamm mit Artischocken.
| Tag | Strecke | Distanz | Schnitt |
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| 21.05.2001 | Dzermiado-Sitia Rousadapidia - Agios Nikolaos | 119,7 km | 16,8 km/h |
Als nächstes Ziel ist Agios Nikolaos ausgewählt. Ich nehme die Straße über Mesa Lasithiou. Dann geht es - von kürzeren Zwischenanstiegen abgesehen - in Serpentinen bergab. Die Straße ist wenig befahren. Von der Straße aus hat man einen herrlichen Ausblick in die Täler. Unterwegs muss ich des öftern die Gangschaltung nachstellen.
Bis zur Kreuzung mit der Küstenhauptstraße ist es ruhig. Dann sind es nur noch 2 km bis zum Zentrum der Touristenhochburg. Erst einmal ein Bad am stadtnahen Strand.
Ein älterer Grieche schaut sich mein voll bepacktes Rad ausgiebig an. Nach einer kurzen Fahrt durch den Ort und einer Stärkung gehts weiter.
Östlich von Agios Nikolaos verläuft die Straße erst in Strandnähe entlang. Vor Pachia Ammos fahre ich nochmal zum Strand. Ein holländisches Ehepaar, das auch mit dem Rad unterwegs ist, treffe ich dort. Als ich mich abtrocknen wollte, musste ich feststellen, dass das Handtuch geteert ist.
Dann kommt der Gedanke an ein schöne kühles Bier. Den Wunsch erfülle ich mir in Kavousi. Das krtische Bier (Mythos) ist sehr wohlschmeckend. Zum Bier gibt es immer Leckereien: Nüsse, Gemüse, Salat oder Brot. Das Bier ist auch notwendig, denn hinter dem Ort beginnt der Anstieg. Die Straße verläuft weiter im Landesinneren und stetig geht es am Rande des Orno Oros bergauf; höchster Punkt in dem Bereich liegt bei 450 m. Von oben hat man einen herlichen Blick zurück auf die Mirambellou Bucht und Agios Nikolaos. Die Straße hat viele Serpentinen und Kurven, um die Taleinschnitte zu umfahren. Und so geht es immer bergauf- und bergab. Am frühen Abend ist es angenehmer zu radeln.
Auf diesem Straßenabschnitt sind keine Hinweise zu "Rooms" zu finden, so dass ich mich beeile, noch im Hellen Sitia zu erreichen. Nach dem Auf und Ab liegt dann ganz unerwartet eine Ebene vor mir mit der Silouette von Sitia. Dann folgen die letzten 10 km in rasanter Abfahrt von 450 m auf 0 m Höhenmeter. Eine tolle Abfahrt, und ich schaffe es gerade noch im Hellen um 20.15 Uhr in Sitia anzukommen. Ich finde ein günstiges Zimmer im "Star-Hotel" (4000 dr.). In den letzten Jahren sind neue Restaurants in dem Hafenbereich hinzugekommen und neue Hotels sind gebaut worden. Die in den Reiseführern beschriebene Abgeschiedenheit ist vorüber.
| Tag | Strecke | Distanz | Schnitt |
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| 22.05.2001 | Sitia - Kato Zakros Kloster Toplou - Vai - Zakros | 63,4 km | 15,7 km/h |
Als weitere Reiserouten stehen mehrere Alternativen zur Auswahl. Von Sitia kann man über die Hauptverbindungsstraße nach Ierapetra an der Südküste fahren. Ich wähle die Alternative und nehme den äußeren östlichen Rand Kretas mit. Hier sind noch viele schöne Strände und das Gebiet (außer der Palmenstrand von Vai) ist nicht so sehr touristisch erschlossen. Ich fahre an der Bucht von Sitia entlang mit schönem Blick zurück auf die am Hang erbaute Stadt. Zwischendurch passiert man eine große Betonskelettruine und ein Appartment-Kunstdorf, das wohl noch auf Käufer wartet, wie den Werbetafeln zu entnehmen ist. Der Strand bei diesem Dorf ist sehr unattraktiv - klein und Plastikmüll.
Es folgt der Abzweig nach Paleokastro; ich fahre aber weiter auf der Straße Richtung Vai. In Serpentinen wird erstmal Höhe gewonnen. Es ist hier sehr trocken und die Vegetation entsprechend spärlich. Die Berghänge sind rot oder ockerfarbend und darauf wachsen die Trockengewächse der dürftigen Maccia. Dann taucht das Kloster Toplou auf.
Das Kloster ist frisch renoviert, aber Mönche gibt es nicht mehr. Sehr schön ist der Innenhof, in dem zu jeder Tageszeit noch ein angenehmes Schattenplätzchen zu finden ist. In dem Kloster können Ikonen, Bilder und Bücher besichtigt werden.
Die Sonne strahlt am Vormittag schon mit ungebändigter Kraft. Das Meer und der Palmenstrand von Vai sind vom Kloster aus schnell zu erreichen (10 km). Bereits an der Stichstraße wachsen die Palmen in dem Taleinschnitt. Da ich recht früh den Strand erreiche finde ich noch ein schattiges Plätzchen unter Palmen; aber zuerst einmal kühle ich mich im Wasser ab. Der Sand ist so heiß, dass er mit ungeschützten Füßen nur bei schnellem Laufen betreten werden kann. Gegen Mittag wird es voller. Nach einem Kaffee verlasse ich am frühen Nachmittag den Ort. Aufgrund der großen Hitze kann man beim Radfahren keinen Helm tragen. Aber eine Kopfbedeckung und ein Sonnenschutz für die Stirn ist schon notwendig. So kaufe ich mir eine weiße Schirmmütze. Die ungeschützten Köperteile am Kopf, die Ohren, sowie der Rücken sollten noch einen Sonnenbrand bekommen.
In Paleokastro lege ich einen Zwischenstop ein (mittäglicher Salat). Weiter geht es auf kurviger und mäßig ansteigender Straße Richtung Zakros; unterwegs werden kleinere Dörfer durchfahren. Allzuviele Touristen verirren sich nicht mehr hierher.
In Zakros trinke ich beim Maestro einen Raki und Orangen gibts dazu. Hier war sich schon mal, als die Mutter des Maestros noch lebte.
Als Übernachtungsort hatte ich Kato Zakros ins Auge gefasst. Obwohl die Zimmer dort ausgebucht sein sollen, bin ich zu dem schön gelegenen Strand hinabgefahren. Zu Fuß kann der direkte Weg durch das Tal der Toten eingeschlagen werden, das durch seine Höhlenwände und den blühenden Oleander bekannt ist. Mit dem Rand fahre ich auf der asphaltierten Straße zum Strand hinab. Der Strand ist zwischen den kahlen Bergrücken einzigartig gelegen. Nach einem ausgiebigen Abendessen schlafe ich an dem Strand, da wirklich alle Zimmer belegt sind.ll
| Tag | Strecke | Distanz | Schnitt |
|---|---|---|---|
| 23.05.2001 | Kato Zakros - Koutsounari Xerokambos - Ziros - Armeni | 82,0 km | 13,1 km/h |
Um 07:15 Uhr scheint die Sonne bereits kräftig. Zuerst ein Bad im Meer und dann Abduschen unter der Süßwasserdusche.
Als erster besuche ich anschließend den minoischen Palast (Eintritt 800 dr.), der nur 100 m vom Strand entfernt ist. Der Palast wurde zwischen 1550 und 1600 v. Chr. erbaut. Die Minoer haben sich ein hübsches Plätzchen ausgesucht. Die Gebäude sind am Hang gelegen und aus der Schlucht stand genügend Wasser zur Verfügung. Zu sehen sind noch die Grundmauern und einige Treppenaufgänge..
Nach dem Frühstück in der Taverne gings weiter. Es war schon früh sehr heiß und als erstes mußte der Anstieg (10 % ausgeschildert) nach Zakros wieder überwunden werden. Nach mehreren Versuchen finde ich die Stichstraße Richtung Xerokambos (am Hinweisschild zum Hotel Alex). Der Weg ist unbefestigt und staubig; mit meinem schmal bereiften Rad muss ich mir einen Weg zwischen den größeren Steinen suchen. Man kommt so nur langsam voran. Anfangs ist die Straße mit Olivenhainen gesäumt; aber je höher man kommt, desto weniger sind die Flächen bewässert und somit spärlich bewachsen. Die Gefälleabschnitte können auch nur langsam befahren werden; ich muss Zwischenstopps einlegen um die Felgen (und mich selber) zu kühlen.
Die Sonne brennt und der teilweise starke Wind ist auch warm und weniger erfrischend. Das Wasser in der Trinkflasche kocht (fast), noch 1/2 l Wasser bis Xerokambos... Dann ist der Passscheitel erreicht, von hier hat man einen atemberaubenden Überblick zu einer Schlucht und auf das zu Füßen liegende Xerokambos. Mit stark angezogener Bremse nehme ich die Gefällestrecke zu dem Ort.
Xerokambos ist kein typisches griechisches Dorf; es ist volkommen zersiedelt mit einzelnen Häusern, und einen Dorfkern sucht man vergeblich. Erst wird ein Kaffee getrunken, im Meer gebadet und für den bevorstehenden Anstieg die Wasserflaschen gefüllt (5 l Wasser = 5 kg zusätzliches Gepäck). Aber die Menge war nicht ganz übertrieben, zumal dieser Tag wohl den heißeste und, wie sich später herausstellen sollte, anstrengensten Tag der Tour darstellen sollte.
12.30 Uhr - 700 Höhenmeter standen auf dem Programm. Die Straße nach Ziros ist mittlerweile durchgehend asphaltiert. Sie schlängelt sich wie ein aufgeklebtes Band auf dem kahlen Berg in die Höhe. Die ersten 2/3 des Anstieges laufen ganz gut. Hat man wieder einige Serpentinen überwunden, und hofft nun auf ein Ende, dann tauchen wieder neue Anstiege auf. Die Straße ist wirklich sehr schwach befahren, alle paar Minuten mal ein Auto, und so kann man bei stärkeren Steigungen auch mal kreuzen.
Weiter oben kommt dann teilweise noch ein heftiger Gegenwind hinzu, so dass ich aus dem Sattel steigen muss, um weiter voran zu kommen. Und ringsherum nur trockene Maccia, kein Baum, kein Haus - kein Ort,. um sich im Schatten auszuruhen. Dann eine kleine Panne: durch den Druck löst der Sattelkloben. Die Schraube muss nachgezogen werden. Dann werden die Kuppeln einer Militärstation auf der Bergspitze sichtbar, hier ist dann der schwierigste Anstieg der Tour gemeistert. Erschöpft erreiche ich Ziros, in der Taverne stärke ich mich mit Cola und Omlette mit Katoffeln.
Weiter geht es über Armeni zur Hauptstraße nach Ierapetra. Hinter Zires öffnet sich ein hügeliges und fruchtbares Land, das landwirtschaftlich genutzt wird: Oliven, Wein, Gemüse. Auch hier stehen noch alte Wassermühlen, von denen einige noch im Einsatz sind. Im Hintergrund auf dem Bergücken nach Sitia sind die Windgeneratoren zu sehen. Zwischendurch besichtige ich die venezianische Villa De Mezzo, die renoviert wird.
An vielen Stellen auf Kreta weisen braune Hinweisschilder auf historical sites hin, oft kleinere Ausgrabungen, die auf der Karte und im Reiseführer nicht erwähnt sind; Zivilisationsspuren der Minoer, Römer und Venezianer. Bis hierher waren noch einige Zwischenanstiege zu meistern, aber dann geht es auf der Hauptstraße nach Ierapetra auf den glatten frischasphaltierten Abschnitten mit Tempo 50 und mehr bergab zur Südküste, die in Analipsi erreicht wird. Als erstes nehme ich ein Bad im Meer. An vielen Stränden - wir auch hier - stehen auch Süsswasserduschen, die ich natürlich auch nutzte. Die Küstenstraße hat nur geringfügige Steigungen, so dass die Fahrt hier ein Pappenstiel gegenüber dem vorangegangenen ist. Die Küstenorte sind mehr oder weniger vom Tourismus geprägt. Außerdem wird das Gebiet intensiv für den Gemüseanbau im Plastikgewächshaus genutzt. Es wird Abend und Zeit ein Quartier zu suchen. Ich folge einem Hinweis an der Hauptstraße und finde bei Manolis Lamprakis in Koutsounari (Tel.: 0842 /61436 ../28131) ein Zimmer, vor dem ein blühender Garten liegt. Manolis hatte gerade seine Schafe und Ziegen versorgt. Zum Empfang gab es Raki und Gurken. Das Umfeld ist nicht so interessant, aber die Pension ist zu empfehlen.
| Tag | Strecke | Distanz | Schnitt |
|---|---|---|---|
| 24.05.2001 | Koutsounari - Ano Viannos | 55,6 km | 13,1 km/h |
Am nächsten Tag geht es an der Küste weiter westwärts. Ein kurzer Zwischenhalt in Ierapetra, aber die Stadt ist nicht besonders interessant. Am Morgen ist es sehr stürmsich, und ich muss aufpassen, nicht von der Straße getrieben zu werden. Im Laufe des Vormittags flaut der Wind aber ab, der Wind wirkt hier aber kühlend. Zwischendurch reißt mir nochmal die Kette, aber der Nietendrücker ist im Werkzeug vorhanden. Lästig sind nur die dreckigen Hände (Notmaßnahme: Eincremen und mit einem Papiertaschentuch abwischen). Bis Mirtos verläuft die Straße auf Meeresniveau ohne erwähnenswerte Steigungen. Die Straße ist um Ierapetra stärker befahren.
Den Mittag und Nachmittag verbringe ich in Mirtos, um nicht wieder während der heißesten Stunden des Tages zu radeln. Der Ort hat seinen Charme bewahrt. Größere Hotes stehen zumindest nur außerhalb des Dorfes. Das Ortsbild ist weitgehend erhalten geblieben, obwohl der Ort durch die Restaurants und Geschäfte durch den Tourismus geprägt wird. Das Kafenion im Ortsmittelpunkt sieht fast noch so aus wie vor 20 Jahren. Ich verbringe die Zeit hier am Strand und im Kafenion.
Westlich von Mirtos verläuft die Straße nicht mehr an der Küste entlang, sondern 5 - 10 km im Landesinneren. Die kleineren Straße an der Küste in Richtung Keratokamobs sind nicht befestigt und für Tourenräder weniger geeignet. Ich fahre erst an dem ausgetrockneten Flußbett des Mirtos-Flusses entlang nach Mithi. Es geht heftig bergan, und es herrscht wenig Verkehr. Das Land wird hier bewässert und landwirtschaftlich genutzt. Zum Glück ist es am späten Nachmittag nicht mehr so extrem heiß. Der Anstieg geht bis auf 700 m; der Scheitelpunkt ist an einem Denkmal (kretischer Widerstand gegen die deutschen Besatzer im 2. Weltkrieg) erreicht. Dann noch eine kurze Abfahrt und Ano Viannos ist erreicht. Da es schon dämmert ist dieses das heutige Etappenziel.
Ano Viannos schmiegt sich an den Berghang. Die Straßenbreite reduziert sich im Dorf auf eine Fahrspur, und den Dorfmittelpunkt bildet eine riesige Plantane. Etwas weiter kommt man zu der Kirche. Daneben steht ein Baum aus dem ein Wasserhahn ragt, und Wasser läuft auch heraus. Mein Wirt erzählte, das der Baum wohl mal als Stütze für die Wasserleitung und Wasserhahn gedient hat. Im Laufe der Jahre hat der Baum die Leitung umschlungen und nur der Wasserhahn schaute noch heraus.
Hinter der Kirche, an der auch die Bushaltestelle sich befindet, habe ich ein Zimmer genommen. Das Essen (ausgezeichnet) gabs eine Etage höher. Allerdings haben mich in der Nacht einige Mücken überfallen.
| Tag | Strecke | Distanz | Schnitt |
|---|---|---|---|
| 25.05.2001 | Ano Viannos - Pitsidia Martha - Pirgos - Agii Deka - Mires | 94,1 km | 19,7 km/h |
Hinter Ano Viannos ist noch ein kleiner Anstieg zu bewältigen, und dann heißt es laufen lassen. In rasanter Abfahrt über fast 20 km passiert man Martha und kommt so bis nach Demati, das auf einer Höhe von 200 m liegt. Der Himmel ist bewölkt und die Temperaturen sind für das Radfahren (ca. 20°C) ideal. Die Maccia blüht hier gelb und violett, und dann ist auch die fruchtbare und grüne Mesara-Ebene ist erreicht. Es wachsen sogar grüne Gräser unter den Olivenbäumen, und es wird Wein angebaut. Zur Mittagszeit wird es wieder heißer, aber es sind keine schwierigen Passagen zu überwinden. Nach Pigros geht es über leicht hügeliges Gelände weiter nach Agii Deka. Unterwegs werde ich von Kindern wie ein Tour de´ France-Fahrer freundlich begrüßt.
Nach dem Ortsende von Agii Deka stehen die ersten Hinweise zu den Resten der römischen Ansiedlung von Gortis. Das Prätorium und der Apollo-Tempel können ohne Obulus besichtigt werden. Die Ruinen liegen in einem Olivenhain und sind eingezäunt. Man ahnt, dass noch vieles in Verborgenen liegt. Die Olivenbäume sind so knorrig, dass man sich schon fragt, was wohl eher hier war, die römische Siedlung oder die Bäume. Ich treffe dort ein englisches Ehepaar - so um die sechzig - die auch mit dem Rad unterwegs sind; aber kürzere Touren unternehmen und weniger Gepäck haben.
Für die Besichtigung der Reste der Agios-Titos-Kirche und des Amphitheaters müssen die üblichen 800 dr. bezahlt werden. Westlich von Agii Deka nimmt der Verkehr deutlich zu, denn hier wird die Hauptverbindung nach Iraklin gekreuzt. Es folgt Mires, ein weniger interessanter Ort mit kleineren industriellen Betrieben.
Von Mires aus nehme ich kleinere Straßen nach Pitsidia, wo das Etappenziel sein sollte. In vielen Häusern werden Zimmer vermietet. Die Gemischtwarenhändlerin fängt mich gleich ab, schließt ihr Geschäft und geleitet mich eine Straße weiter zu einem Zimmer. Der Raum ist sogar mit neuen Möbeln ausgestattet und hat eine Holupanelldekce. Das Klo-/Duschhäuschen steht im Garten, und dessen Tür wird mit einem Stoffstreifen verriegelt. An diesem Tag bin ich aufgrund der abschüssigen Strecke schnell voran gekommen, so dass ich noch Zeit habe, zum Strand zu fahren. Der Komo-Beach ist 1,5 km vom Ort entfernt, mit dem Fahrrad kein Problem. Dies ist ein breiter Sandstrand, der sich über Kilometer erstreckt. Zur Abkühlung will ich ins Wasser laufen, muss dann aber abrupt abbremsen, da der Meeresgrund hier mit Felsplatten bedeckt ist.
Am Abend unternehme ich mit dem Rad ohne Gepäck noch einen kurzen Abstecher nach Matala. Der Tourismus hat noch weiter von dem Ort Besitz ergriffen. Der Strand ist schon fast überbaut mit Restaurants und Geschäften; von dem alten Ort ist nicht mehr viel zu erkennen. Aber die Sandsteinschollen mit den Höhlen aus der Jungstein- und Hippiezeit sind ein lohnender Anblick. Am Abend habe ich in Pitsidia gegessen. Die Struktur und Architektur des Ortes ist noch intakt, obwohl die meisten Dorfbewohner vom Tourismus leben oder zumindest ein Zubrot haben.
| Tag | Strecke | Distanz | Schnitt |
|---|---|---|---|
| 26.05.2001 | Pitsidia - Platanias Timbaki - Fourfouras | 86,6 km | 15,0 km/h |
Es stehen mir noch zwei Reisetage zur Verfügung, und entscheide mich dann, den längeren Weg über Rethimno nach Iraklion einzuschlagen. Ich fahre über kleinere Straßen nach Timbaki. Hinter Timbaki gehts dann los; auf der Hauptstraße nach Agia Galini sind schweißtreibende Steigungen bis 10 % zu bewältigen. Etwa 8 km nordwestlich von Timbaki zweigt die kleinere und kurvenreichere und letztendlich längere Straße nach Rethimnon über Fourfourvas ab. Da der Hauptverkehr wohl der größeren Straße über Spili folgt, ist die gewählte Nebenstrecke angenehm verkerhsarm. Bis Vathiako geht es noch ordentlich berauf, danach sind die Steigungen nicht mehr so extrem und verteilen sich über der Strecke. Die Straße verläuft an dem Psiloritis-Gebirgszug entlang.
Man durchfährt kleine Bergdörfer und immer wieder gibt es schöne Aussichtspunkte, die zu einem Halten verleiten. Die Landschaft ist sehr grün, in den höheren Berglagen wird es aber immer kahler. Auf den Bergspitzen liegt noch etwas Schnee. Vor dem größten Bergdorf Fourfouras ist mit 585 m der höchste Punkt erreicht. Unterhalb des Ortes befindet sich ein großer See; es ist wohl ein angelegter Wasserspeicher. Der Fernwanderweg E4 streift auch den Ort, und bis zur höchsten Erhebung (Psiloritis mit 2456 m) sind es nur 10 km Luftlinie. Die Dortbewohner haben sich zu der Mittagszeit zurückgezogen, so wirkt das Dorf recht ausgestorben. In dem Dorf werden aber auch Zimmer vermietet. Es folgt eine kurvenreiche Abfahrt; danach setzt ein stärkerer Wind ein, der das Fortkommen zeitweise erschwert.
Danach folgt die wohl grünste Ecke Kretas, ganz im Kontrast zum kahlen Osten der Insel. Ein Bach führt zu dieser Jahreszeit noch Wasser; es wachsen neben Olivenbäumen und Palmen sogar Eichen, und die Wiesen sind grün. An einigen Ecken meint man, sich eher an einem Hochsommertag im deutschen Mittelgebirge zu befinden, solange keine Palme in Sichtweite ist. Es folgt eine längere Abfahrt zu einer Stauseebaustelle (Potami-Staudamm); anschließend geht es um die vorgesehene Seefläche wieder bergan. Der Pass aus dem Kessel muss erst noch erklommen werden. Die Straße ist streckenweise ausgebaut worden, und sie wirkt viel zu breit für den dortigen Verkehr.
Dann noch ein letzter Blick in das südliche Tal und bei 400 Höhenmetern ist der Pass überschritten. Dann geht es in kurvenreicher Fahrt 10 km zur Küste hinab. Das Meer und die Küstenbebauung werden sichtbar. Der Verkehr nimmt zu und man durchfährt industrielle Ansiedlungen. Die Küste erreiche ich bei Perivolia, 3 km östlich von Rethimno. Ich fahre die Old Road Richtung Osten, und Hotels und touristische Einrichtungen säumen die Straße. Noch ein kurzes Bad im Meer; ich kommen jedoch an dem Strand nicht weit ins Wasser, da der Fels den Zugang ins tiefere Wasser versperrt. Private preisgünstige Zimmerangebote entdecke ich nicht. Da es langsam dunkel wird, frage ich beim ersten "Rooms to Rent" in Plantantias nach. Für 9000 dr. gibt es ein großes Appartment (mit kleiner Küche), und bevor ich noch im Dunkeln weitersuchen muss, quartiere ich mich dort ein. In dem Zimmer funktionieren, ganz ungewohnt, alle Einrichtungen. Das Essen in dem Restaurant war dann schon griechisch mit deutschem Akzent.
| Tag | Strecke | Distanz | Schnitt |
|---|---|---|---|
| 27.05.2001 | Platanias - Iraklio Stavromenos - Margarites - Anogia - Tilissos | 96,0 km | 15,5 km/h |
An dem Morgen fahre ich früh los, da ja noch eine längere Strecke zu bewältigen ist. Den Umweg über Kloster Arkadi lasse ich aus, um ohne Hektik das letzte Etappenziel zu erreichen. Ich fahre bis Stavromenos an der Küste entlang, und folge dann der Straße Richtung Perama. Es geht langsam bergan. Ich treffe zwei Mountainbiker ohne Gepäck; zumindest zeitweise kann ich bei ihrem Tempo mithalten. Vor Perama zweige ich südlich ab. Es geht steil bergan bis hinter Margerites. Dieser Ort ist ganz auf Laufkundschaft (Touristen, die hier einen Zwischenstopp einlegen) ausgerichtet. In vielen Läden werden Keramikarbeiten angeboten. Es ist an diesem Tag stärker bewölkt und das Wetter ist für das Radfahren ideal. Dann folgt eine Abfahrt; so geht es auf dem ganzen Streckenabschnitt bis Anogia, ebene Teilstücke sind hier nicht bekannt. Die Dörfer liegen auf den Erhebungen und dazwischen liegt wieder ein Taleinschnitt. In Livida wird eine Pause eingelegt. In der Höhenlage (600 m) ist die Vegetation schon deutlich spärlicher. Hinter dem Dorf Zoniana ist eine Höhle ausgeschildert. Da ich gut in der Zeit liege, entschließe ich mich zu einen Besuch. Der Rundgang erfoglt mit einem Führer. Diese Höhle hat viele Räume, und sie ist mit schönen Stalagniten und Staglagniten (war das jetzt richtig?) dekoriert.
Danach ist schon das berühmte Bergdorf Anogia erreicht. Die zuerst durchfahrene Unterstadt hält alles für den durchreisenden Touristen bereit; insbesondere werden hier Strick- und Webwaren angeboten.
Im oberen Dorfteil liegt das Rathaus und das Denkmal des unbekannten Soldatens, hier als wehrhafter Kreter dargestellt. Anogia ist der höchste Ort auf dieser Etappe. Hinter dem Ort geht es fast nur noch bergab.
Bis Gonies geht viel Bremsgummi verloren, da die Straße schlecht ist und nur langsam gefahren werden kann. Noch ein kurzer Anstieg, und dann geht es nur noch bergab bis in die Vororte von Iraklion. Es ist eine atemberaubende Abfahrt am Rande einer Schlucht, 40 bis 50 Sachen sind drin.
Schließlich öffnen sich die Berge zur Ebene vor Iraklion. Zuerst müssen noch die weniger schönen industriellen Ansiedlungen durchfahren werden, und nach ca. 8 km ist das Zentrum erreicht. Ich wundere mich erst über den geringen Verkehr, aber es ist doch Sonntag und dann noch Mittagszeit. Ich versuche, in dem am ersten Tag aufgesuchten Hotel wieder ein Zimmer zu bekommen. Das Hotel und ein weiteres sind jedoch ausgebucht. Die Neuankömmlinge und die Abreisenden suchen sich - soweit auf eigener Faust unterwegs - meistens ein Zimmer in Iraklion. Im dritten Hotel klappt es aber dann. Im unteren Teil des Zentrums an der Küste hinter dem Venezier-Kastell gibt es eine Vielzahl preiswerter Hotels (8000 dr. das DoZi.).
Der Rückflug am nächsten Tag klappt auch problemlos. Das Rad muss wieder an der Ostseite des Flughafengebäudes unter Begleitung eines Flughafenbediensteten aufgegeben werden. Und dann am besten schnell weggehen, damit man nicht das Verladen des Rades mit ansehen muss. Nichtsdestotrotz kommt das Rad ohne Schäden in Düsseldorf an.
Eine erlebnisreiche Woche liegt hinter mir. Gut 600 km Strecke und ein bischen Kultur und Meer - was will der Radler mehr?