| Tag | Strecke | Distanz |
|---|---|---|
| 03.10.2011 | Stralsund Devin | 20 km |
Kurz die Hinfahrt: Wir waren pünktlich am Bahnhof und der Zug auch. Das letzte Stück der IC-Eisenbahnstrecke war eingleisig.
Zuerst radeln wir zu der gebuchten Jugendherberge Stralsund, die 7 km östlich der Stadt an der Küste liegt.
Am Nachmittag fahren wir zurück in die Innenstadt und kommen an dem "Hotel am Bahnhof" vorbei, in dem ich 1990, eine Woche nach der Wiedervereinigung, quartiert hatte.
und hier an der St. Jakobi Kirche. Die Kirchen sind aus dickem Backsteinmauerwerk aufgebaut.
Dann geht es zum Hafen und hier gibt es einige alte Speicher, natürlich auch aus Backstein errichtet.
Am Hafen gibt es Fisch & Chips und wir erleben das vierfache Backsteinrathaus: in der Sonne, im Schatten, in voller Beleuchtung und im Dunkeln.
Die erste Nacht verbringen wir dann in der Jugendherberge; leider nicht mehr in dem Stadttor von Stralsund, so war es 2001, sondern in dem östlichen Vorort Devin.
| Tag | Strecke | Distanz |
|---|---|---|
| 04.10.2011 | Stralsund - Ahrenshoop Barth, Zingst | 98 km |
Früh am Morgen, um 9:15 Uhr verlassen wir die Jugendherberge. Zum vierten Mal legen wir die Strecke zwischen Devin und Stralsund zurück: REAL-Markt, Aral-Tankstelle, Baustelle, Rampe zur Strelasundbrücke und dann fahren wir an der Stralsunder Altstadt entlang.
Der Radweg führt immer nahe an der Ostseeküste entlang. Am Morgen ist es noch recht diesig, das Meer ist ruhig und zumeist steht Schilf am Ufer. Wie erwartet, weht der Wind aus der falschen Richtung, sonst wäre es ja auch zu einfach.
Wir erreichen den Ort Barth, und am Ortseingang gibt es eine Badestelle. Rainer nutzt die Gelegenheit für ein Bad; die Wassertemperatur ist eigentlich noch ganz annehmbar. Klaus kneift und Peter fehlt die Badehose.
Der Radweg folgt einer ehemaligen Eisenbahnstrecke zur Halbinsel Darß. Die Meiningenbrücke überspannt den Wasserweg. Die alte Brücke aus dem Jahr 1908 ist nur einspurig befahrbar; aber für Radfahrer gibt es eine schmale Extraspur. Ein Hinweisschild weist auf die Brückengeschichte hin.
Es geht durch die Dünenlandschaft auf der Halbinsel Darß zur Stadt Zingst. Die Äcker sind zum größten Teil abgeerntet. Große Vogelschwärme treffen wir an; Schwäne auf dem Wasser, Kraniche und Gänse auf den Feldern, Stare massenweise und Peter meint, dass Finken auch dabei waren. Irgendwo gab es dann auch noch Möwen.
Bis zu dem Ort Prerow folgen wir der Küstenlinie, dann geht es auf die landeinwärts liegende Seite der Insel. Der Plattenweg (Erichs Rache) ist mittlerweile mit einer Asphaltschicht überzogen worden. In diesem Haus wurde uns eine Übernachtung angeboten; allerdings alles verschimmelt und kein Wasserhahn – wir sind schnell geflüchtet. Es gibt noch einige Abschnitte aus Kopfsteinpflaster und unbefestigte Abschnitte an der Küstenlinie. Wir fahren durch Born und Wiek. In Ahrenshoop beginnen wir, nach einer Übernachtungsstätte zu suchen; dann werden wir in Niehagen an einer Privatherberge fündig. Etwas DDR-Nostalgie, aber jeder hat hier sein eigenes Zimmer. Den Hunger verlieren wir in der Gaststätte ein paar Meter weiter; es gibt Dorsch mit Bratkartoffeln. Im Moment spülen wir mit einem Klaren als Fettlöser nach.
| Tag | Strecke | Distanz |
|---|---|---|
| 05.10.2011 | Ahrenshoop - Rerik Graal-Müritz, Warnemünde, Kühlungsborn | 77 km |
Von Ahrenshoop – besser Niehagen – geht es auf dem Deich zwischen dem Bodden und der Ostsee entlang. Wir fahren durch den Ort Wustrow und in der Nebenstraße stehen viele schmuck hergerichtete Häuser.
Der Radweg nach Dierhagen führt meistens auf Wegen durch das küstennahe Waldgebiet.
Am Wegesrand stehen Ferienhäuser; viele davon sind reetgedeckt. Alle paar hundert Meter ist ein Zugang durch die Dünen zum Ostseestrand angelegt. Laut elektronischer Anzeige haben Wasser und Luft die gleiche Temperatur: 16 Grad.
Nach Graal-Müritz entfernt sich der ausgewiesene Radweg von der Küste und es geht durch ein dichtes, teilweise mooriges, ausgedehntes Waldgebiet.
Nach einigen Kilometern auf dem Radweg der Küstenstraße erreichen wir die Unterwarnow. Hier muss man den Seekanal nach Rostock mit einer Fähre überqueren.
Wir sind in Warnemünde und da tobt der Bär. Danach verläuft der Radweg hinter den Dünen entlang und auf der landeinwärts liegenden Seite säumen Ferienhäuser den Weg.
Weiter geht es auf dem meist unbefestigten Weg an der Küste: dann auch mal bergauf, und wir erkennen, dass sich ab Heiligendamm eine Steilküste gegen die Ostsee auftürmt.
Die Steilküste am Kap Geinitzort besteht aus Geröll, Lehm und Sand und wird von dem Meer wohl immer weiter angenagt.
Dann bemerkt Klaus, dass der Luftdruck in seinem Reifen abnimmt. Auch das Nachpumpen hilft nicht; mit Klaus' Pumpe klappt es nicht, mit Peters geht's auch nicht besser und nach dem Pumpen mit Rainers Luftpumpe war der Reifen ganz platt. Klaus darf einen neuen Schlauch einsetzen. Dann fiel auf, dass Rainers Sattel schief hängt. Wir stellen fest, dass das Sattelgestell gebrochen ist. Rainer verschiebt das Gestell, so dass die Bruchstelle in der Klemmverbindung des Sattelklobens liegt, und dies hoffentlich bis zum Ende der Tour hält.
Der Wind weht heute heftig aus der falschen Richtung. In den Waldgebieten halten die Bäume den Wind ab, aber auf freier Fläche muss man schon viel Kraft aufwenden. Wir kommen nach Kühlungsborn; der Ort hat sich zu einem mondänen Strandbad entwickelt und viele Touristen streifen durch den Ort.
Anschließend führt der Ostseeradweg in das Landesinnere und man muss einen 60 m hohen Berg bezwingen. Als Etappenziel wählen wir Rerik, einen Ort, der zwischen Bodden und Ostsee liegt.
Meist werden Ferienhäuser zur Vermietung angeboten, aber in denen erhält man meistens keine Zimmer für eine Nacht. Wir landen in der Pension „kik in“. Es gibt am Abend wieder Fisch zu essen, aber um 21 Uhr wird das Licht gelöscht und in Rerik werden die Bordsteine hochgeklappt.
| Tag | Strecke | Distanz |
|---|---|---|
| 06.10.2011 | Rerik - Travemünde Wismar, Boltenhagen | 91 km |
Hinter Rerik verläuft der Ostseeküstenradweg erst einmal an dem Salzhaff entlang. Im Hintergrund die Halbinsel Wustrow. Vom Bodden steigt das Land mäßig an und von unserem Weg haben wir zumeist freie Sicht auf die Wasserlinie. Es gibt immer wieder kleinere Anstiege auf Höhen bis 50 m.
Der Ostseeküstenradweg verläuft anfangs meistens über Radwege an untergeordneten Straßen; vor Travemünde gibt es über einen längeren Abschnitt breite Rad- und Fußwege.
In dem Ort Stove gibt es ein kleines Dorfmuseum. In einer Scheune sind alte zusammengetragene bäuerliche Ausrüstungsteile und Maschinen ausgestellt.
Daneben ist die Windmühle in dem Ort noch funktionsbereit. Diese wurde 1936 erneuert und stellte seinerzeit eine der modernsten Mühlen in Deutschland dar.
Vor Wismar sind Schornsteine mit weißen Abgasen zu sehen. Es handelt sich um holzverarbeitende Industrie, die große Holzmengen verarbeitet. Dort werden Paletten und Holzpellets produziert.
Dann erreichen wir die Wismarer Altstadt, die über viel alte Bausubstanz verfügt. Es stehen dort große Backsteinkirchen und die Häuser der Innenstadt sind zumeist mit Ziergiebeln versehen.
Hier erreichen wir den Stadtmittelpunkt, den Marktplatz mit dem Rathaus und der Wasserkunst.
Wir schauen uns die Altstadt genauer an. Fast alle Gebäude sind in einem gut restaurierten Zustand.
Westlich von Wismar erstreckt sich über viele Kilometer unspektakuläres, hügeliges Land. Die Bauern sind fleißig; der Mais wird geerntet und die Felder werden umgepflügt. Große Traktoren mit Doppelbereifung sind im Einsatz. An dem Ort Wohlenberg führt der Weg direkt am Strand entlang, aber die Saison ist nun wirklich vorüber.
Einige Kilometer weiter erreichen wir den Badeort Boltenhagen, der sich an der Ostseeküste entlangzieht. Boltenhagen hat sich auch eine Seebrücke zugelegt, wie es in jedem Badeort, der etwas auf sich hält, üblich ist. Aufsehen gibt es, als Rainer ein Bad in der Ostsee nimmt.
Es folgt eine lange Passage direkt an der Ostsee entlang. Es handelt sich meistens um eine Steilküste, die von dem Radweg aus zugänglich ist. Zwischen der Fahrspur und der Ostsee stehen noch Baumreihen, so dass das Wasser meist nicht zu sehen ist.
Dann nimmt die Bebauung zu und einige Kilometer weiter erreichen wir die Fähre nach Travemünde. Am Ufer steht das Schulschiff, die Viermaster Passat, und eine riesige Fähre kommt gerade in die Lübecker Bucht.
Hier haben wir einen schönen Blick auf Travemünde beim Sonnenuntergang. Um 18:30 Uhr kehren wir in einem Hotel in Travemünde ein. Danach sind wir essen gegangen und es gab wieder Fisch!
| Tag | Strecke | Distanz |
|---|---|---|
| 07.10.2011 | Travemünde – Oldenburg (Holstein) Neustadt, Heiligenhafen | 101 km |
Der Wetterbericht am Vorabend hat uns einen Wetterwechsel prophezeit und es hat in der Nacht geregnet. Peter hat gleich seine gesamte Winterkleidung angezogen, aber nach einem Kilometer beginnt er bereits, sich zu entblättern.
Der ausgeschilderte Ostseeradweg führt um die Lübecker Bucht direkt in Küstennähe am Brodtener Steilufer entlang. Wir fahren an dem Timmendorfer Strand entlang, der sich über etliche Kilometer an der Bucht entlangzieht. An der Strandpromenade reihen sich Geschäfte und Hotels und im Hintergrund gibt es viele mondäne Villen.
Der Timmendorfer Strand geht direkt in den Ort Scharbeutz über. Die Touristen haben sich schon in ihre Winterbekleidung eingemummelt, denn ein starker Wind weht aus südwestlicher Richtung. Wir haben noch Glück, da der Küstenverlauf, dem wir hier folgen, in nordnordöstlicher Richtung verläuft.
Das Wetter wurde von den Mitreisenden unterschiedlich interpretiert; hier in Scharbeutz gab es wohl das letzte Bad der Saison.
Wir fahren an dem Hafen von Neustadt in Holstein vorbei, in dem einige alte Segelboote liegen. Die beiden hohen Gebäude sind ehemalige Speichertürme.
In dem nächsten Badeort Grömitz benutzen wir die gepflasterte Strandpromenade, die eigentlich für Radfahrer gesperrt ist – viele Fußgänger sind nämlich nicht mehr unterwegs. Dann folgt eine längere Passage auf dem Ostseedamm. Der Regen hat jede Vertiefung mit Wasser aufgefüllt, und so nehmen wir jede Pfütze Holsteins mit.
Hinter Dahme weicht der Weg in das Hinterland, da es an der Küste keinen durchgehenden Weg gibt. Wir kommen an großflächigen, meist abgeernteten Äckern vorbei. Der Ostseeküstenradweg hat hier viele Schleifen, und an ungünstigen Stellen steht der Wind direkt gegen uns. Wenn dann noch eine Steigung dazukommt, liegt die Geschwindigkeit im einstelligen Bereich.
Gegen 17 Uhr erreichen wir Heiligenhafen. In dem Hafen gibt es ein Fischrestaurant und dort gönnen wir uns eine heiße Fischsuppe.
Aber die Tagesetappe ist noch nicht geschafft; wir kämpfen uns nun in nordwestlicher Richtung gegen den Wind voran. Wir haben uns die Kleinstadt Oldenburg (Holstein) als Tagesziel ausgeguckt.
| Tag | Strecke | Distanz |
|---|---|---|
| 08.10.2011 | Oldenburg (Holstein) - Kiel Hohwacht, Laboe | 86 km |
Von Oldenburg führt unser Weg zurück zur Ostseeküste. Es geht westwärts, und nun kachelt der Wind uns direkt entgegen. Es ist recht beschaulich; große Gehöfte, kleine Dörfer und viele reetgedeckte Gebäude. Einige sanfte Hügel müssen noch erradelt werden.
Hinter dem Ostseestrand befinden sich mit Seegras bewachsene Dünen. Im Hinterland gibt es etliche Seen. So soll es hier einmal tief ins Land reichende Fjorde gegeben haben, die längst verlandet sind. Hohwacht ist ein Badeort, den wir passieren. Die Strandkörbe stehen mittlerweile an der Promenade, und dort sitzen noch einige Mitmenschen, die sich so vor dem Wind schützen.
Danach verläuft der Ostseeküstenradweg über ein Teilstück weiter von der Küste entfernt. Es ist ein oft unbefestigter Weg, auf dem sich Pfützen gebildet haben. Danach kommen wir auf einen breiten Asphaltstreifen, der direkt hinter den Dünen liegt. Wir fahren durch die Orte Brasilien und Kalifornien. Es ist hier ruhiger und es sind keine weiblichen Schönheiten am Strand auszumachen.
Der Wind weht uns direkt entgegen. Während wir sinnieren, das nächste Mal (wenn's denn sein sollte) an der Ostseeküste in die entgegengesetzte Richtung zu fahren, nutzen die Kitesurfer die Wetterbedingungen voll aus. Vor Laboe ziehen dunkle Regenwolken auf. Also Regenzeug anziehen, aber der Regen kann sich bei der steifen Brise auch nicht durchsetzen.
Wir erreichen dann die Kieler Förde und fahren meist direkt am Wasser nach Kiel. Es ist ein kombinierter Rad-/Fußweg, der oft recht schmal ist. An einer steilen Brücke über dem Zugang zu einem Militärgebiet muss man die Packtaschen abnehmen, um die Brücke passieren zu können. Dann gibt es noch eine Schiebepassage auf dem Sand- und Kiesstrand.
Von Laboe bis zu unserem Hotel am Segelhafen sind es 15 km. Klaus und Rainer fahren weiter zum Kieler Bahnhof, um Zugfahrkarten für die Rückfahrt zu besorgen. Peter kümmert sich derweil um das Gepäck. Der Abend in Kiel wird nicht in die Anekdoten eingehen, da es im Gegensatz zur Kieler Kneipenszene in Wanne-Eickel richtig aufregend zugeht.
In Hamburg haben wir einen längeren Aufenthalt, und wir nutzen die Zeit für eine Sightseeing-Tour.