Am Morgen muss Heinz erst einmal die Cleats unter seinen Radschuhen ausrichten, damit sie besser in den Pedalhaken einrasten. Anschließend bereiten wir das Frühstück in unserem Hotelzimmer zu.
Wir decken uns beim Bäcker mit Proviant ein und passieren im Anschluss den verwaisten Bahnhof von Krakow am See.
Unsere Fahrt führt uns in nord- bis westlicher Richtung weiter. Es ist heute weitgehend windstill, dafür bewegt sich die Route durch ein sanft hügeliges, eiszeitlich geprägtes Gelände. Da die Steigungen meist moderat bei maximal drei Prozent liegen, hält sich die Anstrengung in Grenzen. Über Betonplattenwege geht es an weitläufigen, inzwischen abgeernteten Feldern entlang.
Es folgt der Krakower Buchberg, an dem allerdings fast ausschließlich Kiefern wachsen. Im kleinen Bauerndorf Alt Sammit legen wir unsere elf-Uhr-Pause ein, ehe es auf Nebenwegen abwechselnd durch Wald und Flur weitergeht.
In Bellin rätseln wir über den Zweck des markanten Turms: Handelt es sich um den Bergfried einer mittelalterlichen Burg oder um einen Telegrafenturm aus dem 19. Jahrhundert? Nach Recherchen stellt sich heraus, dass es ein Wasserturm ist. Das benachbarte Jagdschloss bleibt der Öffentlichkeit verborgen und ist vollständig abgeschottet.
Nach einer längeren Passage durch ein geschlossenes Waldgebiet erreichen wir den Inselsee. Am Ostufer passieren wir eine Badestelle und rollen schließlich in die Stadt Güstrow ein. Nach einem stärkenden Dönerteller steuern wir das Stadtzentrum an.
Das ehemalige Gebäude des Reichsbahnamtes in Bahnhofsnähe ist augenscheinlich dem Verfall preisgegeben.
Wir verlassen Güstrow in nordwestlicher Richtung auf dem Fernradweg Berlin–Kopenhagen. Die Route folgt dem Güstrow-Bützow-Kanal, der das Teilstück eines einst bis Berlin geplanten Großkanals darstellt. Heutzutage ist er für die Schifffahrt unpassierbar, da die historischen Schleusen durch Wehre ersetzt wurden. Die alte Zugbrücke erweist sich als ein technisch faszinierendes Bauwerk an dieser Wasserstraße.
Der Radweg verläuft direkt auf dem Leinpfad des fast schnurgeraden Kanals. Das Terrain liegt hier nur wenige Meter über dem Meeresspiegel und ist vollkommen eben. Schließlich erreichen wir die Stadt Bützow und den alten, an den Kanal angebundenen Hafen an der Warnow.
Nach einer kurzen Rast am Ortsausgang von Bützow setzen wir zum Schlussspurt an: Noch rund 20 Kilometer liegen vor uns. Wir durchqueren das Sternberger Seenland, wodurch das Profil wieder spürbar hügeliger wird. Die Straßen sind meist als malerische Baumalleen angelegt. Gelegentlich behindern uns holprige Kopfsteinpflasterpassagen, weshalb wir oft auf die sandigen Seitenstreifen oder den Grasrand ausweichen.