Landschaftlich prägt ein offenes Gelände mit wenig Baumbestand das Bild. Von hier oben können wir bei dem klaren Wetter das Nördlinger Ries wunderbar überblicken; sogar den gegenüberliegenden Kraterrand können wir am Horizont gut erkennen.
Über Nebenstraßen und Radwege erreichen wir das Zentrum von Nördlingen. Allerdings lässt die dortige Radinfrastruktur zu wünschen übrig; es gibt nur wenige ausgewiesene Radwege in der Stadt. Wegen gesperrter Straßen und stauendem Autoverkehr müssen wir am Bahnhof auf den Fußweg ausweichen. Die bei uns mittlerweile üblichen roten Markierungen für Radstreifen scheinen hier in Bayern wohl noch nicht flächendeckend bekannt zu sein.
Wir fahren anschließend zum Bahnhof, wo uns Klaus vorerst verlässt – er plant aber, in zwei Tagen wieder zu uns zu stoßen. Vom Bahnsteig aus können wir alte Lokomotiven auf der Drehscheibe sowie historische Waggons des Bayerischen Eisenbahnmuseums entdecken.
Vor dem Pfarrhaus der St.-Jakobs-Kirche entdecken wir einen plätschernden Brunnen und eine Bankgarnitur, die uns prompt zu einer entspannten Rast verführen.
Wir nutzen anschließend den Radweg entlang der Landstraße nach Megesheim und erreichen bald wieder den Kraterrand des Nördlinger Rieses. Hier geht es auf einer abgelegenen Nebenstraße extrem steil bergan. Neben der Straße erstrecken sich frisch gemähte Wiesen und Felder mit Sommergetreide, während im Hintergrund ausgedehnte Wälder aufragen.
Bei Oberappenberg erreichen wir schließlich den Scheitelpunkt. Von dort aus geht es rasant und steil bergab zum Hahnenkammsee.
Der idyllische See ist in ein weites Waldgebiet eingebettet und verfügt über einen offiziellen Badestrand. Während Gerd sich komplett ins kühle Nass traut, begnüge ich mich damit, nur die Beine ins Wasser zu halten. Obwohl es sonnig ist, bleiben die Temperaturen mäßig, und über das offene Gelände weht ein recht kühler Wind.
Wir befinden uns mittlerweile im Naturpark Altmühltal und schlagen eine nördliche Richtung ein. Der ausgewiesene Radweg orientiert sich am Verlauf der Heidenheimer Straße. Er wird teils separat neben der Hauptverkehrsader geführt, teils auf parallel verlaufende Nebenwege umgeleitet – wobei diese kleinen Straßen leider konsequent jede Steigung der hügeligen Landschaft mitnehmen.
Danach geht es in engen Serpentinen aus den Höhen der Fränkischen Alb hinab in Richtung Gunzenhausen – bei einem ordentlichen Gefälle von 15 Prozent. Wegen der scharfen Kurven ist absolute Vorsicht geboten und schnelles Fahren unmöglich. Gerd stellt fest, dass seine klassischen Cantilever-Bremsen hier durchaus an ihre Grenzen stoßen, während die modernen Scheibenbremsen von Heinz und Rainer die Abfahrt souverän meistern.
In der rasanten Abfahrt übersehen wir prompt eine Abzweigung nach rechts, was wir erst am Ende der Gefällestrecke bemerken. Kurz steht sogar im Raum, die halbe Strecke wieder mühsam nach oben kurbeln zu müssen. Zum Glück findet sich eine Alternative: Über einen Feldweg gelangen wir wieder zurück auf unseren geplanten Track.
Anschließend rollen wir ohne größere Anstrengungen nach Gunzenhausen, wo wir rechtzeitig unsere Vorräte für das Abendessen und das morgige Frühstück aufstocken. Kurz hinter der Stadt erreichen wir den Altmühlsee. Die Uferzone ist bestens erschlossen und bietet zahlreiche Freizeiteinrichtungen, Bootshäfen, Spielplätze und Restaurants.
Ziemlich zentral im Ort haben wir zwei gemütliche Gartenhäuser für die Übernachtung gebucht. Da sich die heutige Etappe wegen der vielen heftigen Steigungen doch sehr in die Länge gezogen hat, kommen wir erst spät um 20:00 Uhr an.