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Spätsommer 2026

Westpommern

Anklam - Kołobrzeg - Połczyn-Zdrój - Drawsko-Seenplatte - Berlin

Datum:
08. September 2026
Strecke:
Wisełka – Grzybowo
Streckenlänge:
74 km
Bild
Am Morgen jucken die Mückenstiche, die mir wohl gestern Abend am Unterschenkel unter der Hose verpasst worden sind. Aber nicht so schlimm. Kurz nach 10 haben wir das Frühstück beendet, alles eingepackt und es kann losgehen.
Ein kurzes Schotterstreckenintermezzo,
und ältere Bebauung, aber wir radeln kurz danach auf dem Radweg an der Hauptstraße 102. Wir fahren zwischen dem Binnensee (Lewińska Struga / Jezioro Wicko) und der Ostsee, wobei vom Wasser nichts zu sehen ist.
Auf den Radwegen finden wir immer dieses Symbol; der Text heißt einfach „Westpommern“. Die Wegstrecke führt durch waldreiches Gebiet.
Unser Track verläuft über eine lange Strecke auf dem Radweg an der Hauptstraße entlang. Zu der Wegführung gibt es keine Alternative. Meistens ist er gut befahrbar und ausreichend breit. Eng wird es in den Touristenorten, wie in Międzywodzie. Hier sind noch viele Touristen zu Fuß und auch auf dem Rad unterwegs.
Diese rote Klappbrücke kennen wir noch von der Radtour vom Frühjahr 2022. Sie führt über den Fluss Dziwna und man landet dann in Dziwnów.
Der Ort liegt zwischen der Ostsee und der Dziwna. Diese polnischen Eigennamen können wir uns einfach nicht merken.
Einige alte Gebäude im Stadtgebiet fallen auf; die stammen ja wohl noch aus deutscher Zeit. Die sind aber in einem schlechten Zustand und verfallen.
Und das war mal ein ansehnliches Wohnhaus der gehobenen Gesellschaft, jetzt nur noch morbide Hinterlassenschaft. Beim genauen Hinsehen entdecken wir die Fischbude vor dem Haus. Da haben wir uns auf das zweite Frühstück gestürzt: Sprotten und Pommes, die große Portion haben wir uns vorgenommen. Es gibt dann auch eine riesige Tüte mit den Sprotten und eine mit den Kartoffeln. Rainer schafft's fast, Gerd nicht ganz.
Hinter dem Ort geht es dann auf einen parallel zur Hauptstraße verlaufenden Waldweg. Auf dem küstennahen Weg ging es rauf und runter, auf dem Sandboden lässt es sich einigermaßen fahren.
Es folgt wieder eine Passage auf dem Radweg an der Hauptstraße durch ein Waldgebiet. Und dann sehen wir zwischen den Kiefern einen riesigen Hotelkomplex. Das Gebäude hat die Form eines Schiffes und ist wohl für die Leute gedacht, die bei einer echten Seereise seekrank werden. Diese neuen Hotels haben alle das gleiche Grunddesign: weiße Fassade, umlaufende Balkone mit Glasgeländer, große Fensterflächen. Nur die Außenform ändert sich, mal Rechteck, mal versetzte Etagen, mal Schiffskontur. Wir haben jedenfalls keine Lust, den Urlaub so zu verbringen. Wir fragen uns, ob der Touristenmarkt mittlerweile nicht schon gesättigt ist und die Dinger dann leer stehen.
Hinter dem Hotel beginnt der Ort Pobierowo. Auch hier ist alles auf Tourismus getrimmt. Es gibt sogar einen Aufzug, um von dem höheren Dünenniveau auf das Strandniveau zu kommen.
Heute ist es recht warm und etliche Touris nutzen das Wetter zum Sonnenbaden. Wir gucken uns das Treiben nur kurz an und setzen die Etappe fort.
In dem Ort ist der ufernahe Weg mit einer Absperrung versehen, um größere Fahrzeuge abzuhalten. Wir sind beide der Meinung, dass es für unseren Werner hier eng geworden wäre.
Wir radeln weiter; wir passieren Rewal und hinter dem Ort finden wir einen Strandzugang, der abseits liegt und nicht so leicht zugänglich ist. Den wählen wir für die Strandpause aus. Die Räder stellen wir auf der Düne ab und gehen zum Strand.
Wir gehen natürlich schwimmen; nicht allzu lange, aber für eine Erfrischung reicht's.
Kurz hinter der Badestelle passieren wir diesen alten und schön hergerichteten Leuchtturm [in Niechorze]. Danach geht es über viele Kilometer durch ein dichtes Kiefernwaldgebiet. Der Weg ist mal grob geschottert oder führt einfach durch den Sand. Einige wenige Radfahrer sind hier auch unterwegs, dann treffen wir noch auf Pilzsammler mit vollen Körben und Beerensammler.
Dann sind wir froh, mal wieder was anderes zu sehen. Wir kommen an der Brücke über die Rega wieder auf die Hauptstraße und der Ort Mrzeżyno liegt auf der anderen Flussseite.
Erst sieht es nach einer atypischen Brückenkonstruktion aus; aber das Stahlbauwerk entpuppt sich als Riesenrad, das gerade aufgebaut wird. In dem Ort trinken wir noch ein Bier und kaufen für das morgige Frühstück ein.
Hinter Mrzeżyno an dem Radweg neben der Hauptstraße sind über Kilometer Absperrungen zu einem flachen Graben errichtet. Was soll denn das? Wenn man in den Graben fällt, wird man höchstens nass, aber vielleicht sollte man die auf der anderen Seite aufbauen, da kann man gegen einen Baum fahren. Hintergrund sind bestimmt wieder EU-Gelder, die auszugeben waren.
Und dann wieder die Baustelle eines riesigen Hotelkomplexes an dem Binnensee [Jezioro Resko Przymorskie]; wir meinen, es reicht. Alles nach Schema F, wie oben beschrieben.
Vor Dźwirzyno überqueren wir einen Kanal, der den Binnensee Jezioro Resko Przymorskie mit der Ostsee verbindet. Wir überlegen, wo wir übernachten wollen. Der nächste Campingplatz soll sich in dem nächsten Ort Grzybowo befinden, ansonsten erst wieder hinter Kolberg (Kołobrzeg). Da wir in Kolberg südlich abzweigen wollen, kommt nur der Zeltplatz in Grzybowo in Betracht.
Gegen 19 Uhr erreichen wir den Campingplatz. Wir fahren noch schön essen; es gibt Biersteak. Es hat gut geschmeckt.