In der Nacht beginnt es zu regnen und am Morgen bei Nieselregen können wir an einer Sitzgruppe mit Dach im Trocknen frühstücken. Gerd hat den Wasserkocher dabei und einen Stromanschluss gibt es auch, sodass heißer Kaffee und Tee nebst den beiden Brötchen gereicht werden. Das Zusammenpacken bei dem aufkommenden Regen klappt noch ganz gut.
Wir steuern wieder die Bahntrasse an und der Regen wird heftiger. Ich ziehe neben der Regenjacke die Gamaschen und den Helmregenschutz an, da kommt man noch ganz gut durch. Nur die Regentropfen auf der Brille nerven und behindern die Sicht. Hier ist der Bahnhof von Jelenin abgebildet, den wir am Anfang der Etappe passieren. Danach geht es mit geringen Steigungen und Gefällepassagen nach Godków-Osiedle. Hier reihte sich mal unsere Fahrradbahntrasse in die noch aktive Eisenbahnstrecke ein. Hinter Godków-Osiedle beginnt aber gleich die nächste Fahrrad-Bahntrasse, die bis Wriezen in Brandenburg führt.
An dem Anfang dieser weiteren Trasse finden wir eine überdachte Bank, die wir für eine Pause ausnutzen. Die Sitzgruppe ist mit einer Solaranlage ausgestattet und es gibt USB-Stromanschlüsse. Da unser ursprünlicher Track in Wriezen endet, haben wir hier einen neuen Anschlusstrack erstellt, der über Eberswalde und Bernau zum Hauptbahnhof von Berlin führt.
Es regnet erst einmal weiter. Wir treffen auch hin und wieder auf andere Radler, zumeist Fernradwanderer, u.a. eine Frauengruppe aus Stettin. Man muss wohl sagen, dass diese Bahntrassen für den regionalen Radverkehr nur eine geringfügige Bedeutung haben. Die Trassen liegen meist weiter von den Stadt- und Dorfzentren entfernt und Westpommern hat keine hohe Bevölkerungsdichte. Für die Fernradler fehlen die Highlights, da die Fahrrad-Bahntrassen fast ausschließlich durch landwirtschaftlich genutzte Flächen oder dichte Wälder verlaufen.
Daher ist jedes Bahnhofsgebäude eine Abwechslung auf der Strecke, wie hier in Klepicz. Angenehm sind aber die langen Strecken ohne Abzweige. Recht selten sind die Kreuzungen mit Straßen, wo man mal aufpassen muss.
Auf den letzten Kilometern in Polen geht es noch einmal durch ein dichtes Waldgebiet im Gefälle zur Oder.
Die erste Brücke, die später als Straßenbrücke genutzte Oderquerung, wurde am Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört. Die Eisenbahnbrücke wurde ebenfalls gesprengt, aber in den 1950er Jahren durch Überbauten von nicht mehr genutzten Brücken ersetzt. Diese Brücke wurde als Fahrrad- und Fußgängerbrücke umgebaut und 2021 freigegeben.
In Neuglietzen verlassen wir die Oder. Wir treffen auf ein nettes Lokal, wo es das traditionelle Bauernfrühstück gibt; Rührei mit Bratkartoffeln. Mittlerweile hat sich das Wetter geändert, die Sonne scheint und die Regenklamotten verschwinden in der Packtasche.
In Bralitz geht es dann durch ein flaches Seenlandgebiet und mit diesem Schöpfwerk wird das Wasser zur Oder hochgepumpt.
Hier müssen wir den Finowkanal queren. An der steilen Rampe muss Gerd nachschieben, um den Übergang mit den schweren Rädern zu bewältigen.
Die alte genietete Stahlkonstruktion ist doch viel ansprechender, da kann man noch nachvollziehen, wo die Kräfte verlaufen.
Bei dem Blick in die Wanne des neuen Hebewerkes sieht man, dass der Trog schon deutlich größer als bei dem alten Hebewerk ist. Das Umfeld der Werke ist abgesperrt, und man muss erst einmal eine Eintrittskarte lösen, um sich das näher anzuschauen. Auch der Zugang zum Oberlauf ist nicht mehr frei zugänglich.
Dann erreichen wir Eberswalde. Dort bin ich an dem Finowkanal schon einige Male entlanggefahren, und das Kanalufer mit den historischen Fabrikgebäuden und den Kanalschleusen ist industriegeschichtlich äußerst interessant.
Das ist die historische Papierfabrik, die wohl mal Weltspitze war. Allerdings verfallen die Gebäude; hoffentlich kann man diese noch einer neuen Funktion zuführen. Es fängt wieder an zu nieseln, und eine längere Strecke zu dem nächsten Campingplatz wollen wir dann doch nicht mehr zurücklegen. So finden wir in dem Ort Finow eine Pension, wo wir einkehren.