Auf dem Freizeitgelände Wisola gibt es am Morgen noch Frühstück, sodass wir uns darum nicht weiter kümmern mussten.
Beim Aufsatteln schaut noch das Pony vorbei, um Gerd adäquat zu verabschieden.
Der weitere Weg führt über eine kaum befahrenen Straße durch dichtes Waldgebiet. Wir begegnen einigen Pilzsammlern, ansonsten herrscht Stille. Der See Okunie ist nur für einen kurzen Moment zu sehen, da er meist hinter dem dichten Bewuchs verborgen bleibt. Auf dem ausgewaschenen Betonunterbau der Fahrbahn, welcher streckenweise mit Asphalt geflickt wurde, suchen wir nach einer möglichst schlaglochfreien Linie.
Nach einigen Kilometern wird es nahe dem Dorf Kozy etwas lichter. Es gibt hier einen Kopfsteinpflasterbelag; da hat man Glück, wenn neben den Steinen noch ein schmaler Streifen aus Split oder Sand verbleibt, auf dem man rollen kann.
Hier zeigen sich einige Impressionen aus Dobrzany, völlig ungeschminkt. Es gibt dort viele Plattenbauten aus den 1960er und 1970er Jahren – funktionell, jedoch eher aussagelos und schlicht gehalten.
Manche Anwohner haben bereits eine Photovoltaikanlage installiert und sich pragmatisch mit den Gegebenheiten eingerichtet. Ebenso existieren aber auch die großen neuen Bungalows mit Doppelgarage, weitläufigem Garten und hohem Zaun. Dort wohnen wohl die gesellschaftlichen Gewinner. Womöglich ist die soziale Bandbreite hier in Polen doch etwas ausgeprägter als bei uns.
Bis hinter Wapnica verläuft die Route auf einer ruhig gelegenen Landstraße. Wir folgen nun dem Radweg 20, der schließlich in eine weite Wiesenlandschaft abzweigt. Zuerst dienen große Betonplatten als Untergrund, danach die bekannten Spurbahnelemente, ehe der Weg in Uralt-Riffelplatten übergeht. Da diese sich stark gesenkt haben, heitert eine kräftige Rumpelstrecke das Fahren auf: rattatabang, rattatabang ...
Direkt hinter dem Kopfsteinpflaster rangiert tiefer Sand auf der Beliebtheitsskala der schlechtesten Untergründe ganz oben – genau solcher erwartet uns hier mitten im Wald. So lassen sich einige kurze Schiebepassagen nicht vermeiden. Dieser Streckenabschnitt erweist sich jedenfalls als recht kräftezehrend.
Wir erreichen die Stadt Choszczno. Vor der Marienkirche, nahe der Büste von Papst Johannes Paul II. (polnisch: Jan Paweł II), spricht uns eine Frau an. Obwohl wir sie sprachlich nicht verstehen, geht es offenkundig um das Kirchenoberhaupt. Zum Abschied überreicht sie uns ein Jesusbild – vermutlich als Segenswunsch für unsere Weiterfahrt.
Wir folgen weiterhin dem Radweg 20, der uns an der historischen Stadtmauer entlang über den alten Befestigungswall führt.
An der Uferpromenade des Jezioro Klukom beschließen wir, eine Gaststätte aufzusuchen. Dabei treffen wir einen deutschen Rentner, der mit seiner polnischen Frau hier wohnt und uns ein Lokal empfiehlt. In das Gespräch mischt sich ein Einheimischer ein, der lautstark über die deutsche Politik und Merkel herzieht. Gemeinsam mit dem Deutschen verlassen wir die Promenade und gehen gemeinsam zur dem empfohlen Lokal. Dort ist jedoch eine geschlossene Gesellschaft, weshalb man uns der Begleiter an eine nahegelegene Pizzeria verweist. Dort stärken wir uns schließlich ausgiebig mit Pizza, Salat und Bier, was bis zu Abend aussreicht.
Wir verlassen die Stadt in östlicher Richtung und erreichen nach einer kurzen Sandpassage wieder eine stillgelegte Bahntrasse. Es handelt sich um die ehemalige Eisenbahnstrecke von Choszczno nach Barlinek.
Grünland, Maisfelder und abgeerntete Ackerflächen säumen die Landschaft. Dazwischen taucht gelegentlich ein kleiner See auf, der in der Eiszeit geformt wurde.
Einige der alten Bahnhofsgebäude blieben erhalten; jenes in Płotno wurde sogar als kleines Museum hergerichtet.
Bei der Abfahrt nach dem Rundgang legt sich noch ein Ziegenbock mit Gerd an und möchte ihn scheinbar an der Weiterfahrt hindern.
Es folgt eine längere Passage durch dichten Forst, der zum weitläufigen Naturschutzgebiet Puszcza Barlinecka gehört. Nach zwei ausladenden Kurven auf der ehemaligen Bahnlinie erreichen wir schließlich Barlinek.
Direkt am See entdecken wir das Hotel Barlinek, in dem wir uns für die anstehende Nacht einquartieren.
Am Abend unternehmen wir noch einen Spaziergang im Ortskern. Wir kommen am zentralen Marktplatz vorbei, der von einzelnen historischen Bauten, einigen etwas heruntergekommenen Häusern sowie Neubauten gesäumt wird. Dahinter erheben sich die Backsteinkirche St. Maria mit einer Marienstatue sowie ein verbliebener Rest der alten Stadtbefestigung. Viel mehr gibt es hier auch nicht zu besichtigen.