Pyrenäen-Tour 2013
L´Escala – Argelès-Plage
Datum: 16. Juni 2013 - Streckenlänge: 78 km
Kreischende Möwen unterbrechen bei Sonnenaufgang unseren Schlaf. Am Morgen sind Heinz und Gerd besonders früh wach und nötigen den Rest der Gruppe ebenfalls zu einem zeitigen Aufbruch. Werner als Chefdesigner zeigt sich von der modernen Gestaltung der sanitären Anlagen auf dem Campingplatz hellauf begeistert – man erinnert sich noch gut an Zustände vor 30 Jahren, bei denen man sich am liebsten die Nase zugehalten hätte.
Gegen 9:30 Uhr frühstücken wir in L'Escala. Danach fahren wir entlang der Küste weiter und müssen gut auf die dort laufenden Jogger achten. Wir legen ein hohes Tempo vor, passieren einige Campingplätze und müssen dabei Dutzenden von Falschfahrer-Radlern ausweichen.
In dem Ort Sant Pere Pescador überqueren wir den Fluss Riu Fluvià. Anschließend rollen wir durch die engen Gassen von Castelló d’Empúries, das wir bereits auf dem Hinweg gestreift hatten.
Es geht zunächst durch flaches und weites Gelände weiter. Wir passieren Getreidefelder, die teilweise bereits abgeerntet sind, sowie rustikale Naturstein-Fincas am Straßenrand.
Hinter Espolla beginnt der anstrengende Anstieg. Doch nach den ersten Kurven bleibt Werner zurück: Seine Schaltung funktioniert nicht mehr. Er hat offenbar unter Last zu kräftig geschaltet, wodurch sich der Umwerfer samt Ausfallende verbogen und den Schaltarm direkt in die Speichen gedrückt hat.
Am Hinterrad sieht alles sehr schief aus. Wir demontieren das Rad und biegen den Schaltarm sowie das Ausfallende so gut es geht in eine optimale Position zurück. Beim Zusammenbau geht zwar kurzzeitig ein Kleinteil im Gras verloren (das wir glücklicherweise wiederfinden), und auch die Kettenführung sitzt erst beim zweiten Versuch richtig.
Danach muss die Schaltung neu justiert werden. Der größte Gang lässt sich zwar nicht mehr einlegen, aber für den steilen Anstieg reicht es völlig aus.
Die Sonne brennt erbarmungslos bei 37 °C. Die Helme werden bei den steilen Anstiegen kurzerhand abgenommen, das Wasser in den Flaschen kocht (sofern überhaupt noch etwas darin ist), es gibt keinen Schatten, und Steigungen von bis zu 10 % werden angezeigt. Der Asphalt glüht, aber die Jungs halten eisern durch.
Die umliegenden Berge sind nur spärlich bewachsen, und die Straße zieht sich auf dem Bergkamm immer weiter in die Höhe.
Wie in den Alpen begegnen uns hier Rinderherden, und in die Straße sind Viehgitter in Form von Rohrsperren eingelassen.
In der glühenden Hitze erreichen wir den Bergkamm am *Coll de Banyuls*. Die verbliebenen Kirschen werden verzehrt, während wir ein englisches Paar beobachten, das sein Tandem mühsam von der anderen Seite den Berg hinaufschiebt.
Von oben genießen wir den herrlichen Ausblick zurück auf das Mittelmeer und Banyuls.
Die Straße hinab nach Banyuls ist recht schmal und extrem steil. Wegen zahlreicher Schlaglöcher ist hier höchste Vorsicht und langsames Fahren geboten. An den Hängen wird Wein angebaut, und ein kleiner Bach schlängelt sich durch das schmale Tal.
In Banyuls stürzen wir uns erst einmal zur Abkühlung in das Mittelmeer. Danach wird eingekauft, und auf einer Parkmauer stärken wir uns mit frischem Brot, Salami, Pastete, Tomaten und Honigmelone.
Wir setzen unsere Fahrt auf der verkehrsreichen D914 in Küstennähe fort. Zwischen den Badeorten Port-Vendres, Collioure und Argelès-sur-Mer muss jedoch jedes Mal ein kleinerer Berg von 100 bis 150 Höhenmetern überwunden werden.
Am Abend gegen 19:00 Uhr erreichen wir wieder Argelès-sur-Mer und beziehen erneut unseren bekannten Zeltplatz. Ein kaltes Bier und eine erfrischende Dusche läuten den verdienten Feierabend ein.