Pyrenäen-Tour 2013
Espezel - Montbelsee
Datum: 19. Juni 2013 - Streckenlänge: 110 km
Bei einem Hotelaufenthalt verläuft die Abreise natürlich etwas flotter: Das Einpacken des Zeltes entfällt und das *Petit-déjeuner* steht bereits bereit. Am Ortseingang begegne ich noch einem alten Citroën-Lastwagen.
Es geht zunächst über eine Hochebene mit bunten Wiesen weiter – wobei man es nicht wirklich als reine Ebene bezeichnen kann, sonst wäre ich wohl schneller vorangekommen. Ab Belcaire geht es dann spürbar bergauf.
In der Nacht hat es geregnet, und die Bergspitzen hängen tief in den Wolken. Noch fahre ich im kurzen Trikot bergan. Nach einer kurzen Abfahrt hinter dem *Col de Sept Frères* folgt ein echtes Serpentinenknäuel, das auf dem Navi erst bei starkem Zoom zu erkennen ist – und genau da fahre ich nun auch noch hoch.
Der erste hohe Pass, den ich bei diesigem Wetter erreiche, ist der *Col de Sept Frères*; anschließend führt die D613 direkt durch den Ort Camurac.
Die Fahrt führt mich weiter durch das wolkenverhangene Bergland.
Schließlich erreiche ich den höchsten Punkt der Tour: den *Col de Marmare* auf 1361 m Höhe. Hier verlasse ich die D613, die nach Ax-les-Thermes hinabführt, und biege stattdessen auf eine schmale Passstraße ab, die zum Ort Caussou hinabführt.
Ich bewege mich mittlerweile mitten in den Wolken, und bei der Abfahrt auf der schmalen Straße wird mir zunehmend kalt.
Erst ziehe ich ein Langarmtrikot an, dann ein zweites, gefolgt von langen Handschuhen – und just beim Anlegen der Beinlinge kommt mir auf der ansonsten sehr ruhigen Straße auch noch ein Lastwagen entgegen.
Richtig schnell ist auf der engen Straße mit dem rauen Asphalt ohnehin nicht zu fahren. Von oben blickt man herab auf die Nationalstraße N20, die durch das Ariège-Tal nach Foix verläuft.
Die landschaftliche Kulisse auf diesem Streckenabschnitt ist schlicht beeindruckend.
An der Burg bei Senconac lege ich eine kurze Pause ein. Nach einem darauffolgenden kurzen Gegenanstieg ist mir wieder richtig warm, sodass die Winterklamotten direkt wieder im Gepäck verstaut werden.
Nach einer rasanten Abfahrt erreiche ich bei Bompas das Ariège-Tal und folge der D618 bis kurz vor Foix. In Montgailhard biege ich auf eine kleinere Straße in östliche Richtung ab.
Die Wolken hängen sehr tief, und es bilden sich feine Wassertröpfchen in der Luft. Ich bin ständig am Umziehen: An den Anstiegen wird mir viel zu warm, in den Abfahrten hingegen eiskalt, weshalb ich immer wieder zur Windjacke greifen muss.
Plötzlich beginnen die hinteren Bremsen unschön zu knatschen. Eine Schadensanalyse zeigt durchgebremste Bremsbacken – die müssen dringend ausgetauscht werden.
Roquefixade ist ein außergewöhnlicher Ort, vermutlich wegen der imposanten Burgruine und der historischen Bebauung, die fast wie ein Freilichtmuseum wirkt. Von einer Höhe von 450 m im Ariège-Tal geht es danach wieder steil auf knapp 700 m bergan. Schließlich gelangt man auf die stärker befahrene D117, die kurz darauf direkt nach Lavelanet führt – einer echten Stadt mit zahlreichen Geschäften, falls man sich neu eindecken muss.
Dort treffe ich auf eine stillgelegte Bahntrasse, der ich folge. Die Oberfläche ist zum Radfahren zwar nicht ideal – meist besteht sie aus zwei unbefestigten Fahrspuren –, aber die alten Ingenieurbauwerke und Brücken sind hervorragend erhalten oder werden derzeit aufwendig saniert.
Es geht nun stetig leicht bergab – wie angenehm!
Langsam wird es Zeit, an das Etappenziel zu denken. Ich besorge mir noch ein paar Lebensmittel und fahre dann ein Stück zurück zum Regatta-Campingplatz am *Lac de Montbel* (Montbelsee). Die Saison hat hier noch nicht begonnen, weshalb das Restaurant geschlossen ist. Zum Glück habe ich mich zuvor mit Brot (auch wenn es vom Vortag ist), Käse, Salami, Zwiebeln und Lachscreme eingedeckt.