Noch ein Blick auf unser Hotel am Morgen: Es ist recht kalt und bewölkt. Gegen 10 Uhr starten wir schließlich.
Wir radeln nach Grißheim und von dort an einer Kiesgrube vorbei zum Rhein. Weiter geht es auf dem unbefestigten Rheinuferweg nach Süden. Der recht schmale Rhein hat sich hier tief eingegraben; am Ufer werden derzeit große Hochwasserrückhaltebecken ausgehoben.
In Neuenburg müssen wir hoch auf die Rheinbrücke. Es ist nicht der optimale Weg, und wir müssen uns hier durch die Brombeerbüsche hinaufkämpfen.
Wir können noch einmal zum Schwarzwald hinüberblicken, während auf der anderen Seite nun auch die Vogesen zum Vorschein kommen. Vorerst führt uns ein Teilstück durch die Felder der Rheinebene.
Hinter Ottmarsheim stoßen wir auf ein dichtes Waldgebiet, das hauptsächlich aus Buchen und Eichen besteht. Unser unbefestigter Radweg führt schnurgerade hindurch. Vor Mülhausen (Mulhouse) erreichen wir den Canal du Rhône au Rhin. Der Kanal ist hier ziemlich breit; am Ufer stehen ein Panzer und eine Haubitze, die an die Befreiungsschlachten des Zweiten Weltkriegs erinnern.
In Mulhouse ist der Kanal zuerst hinter einer Bahntrasse verborgen, bevor ein schmaler, idyllischer Kanalabschnitt zum Vorschein kommt.
Der Weg führt zunächst durch das Stadtgebiet. Der Radweg ist asphaltiert, angenehm zu befahren und wird uns den restlichen Tag als Wegführung dienen. Auch die städtische Bebauung hat sich schön an den Kanal angepasst.
Hinter Mulhouse führt uns der Kanal durch ländliches Gebiet. Extrem lästig wird der Gegenwind: Da wir in westlicher Richtung unterwegs sind, bläst er uns meist direkt von vorne. Mit mühsamen 10 bis 16 km/h kämpfen wir dagegen an. Es bleibt nicht nur bei dunklen Wolken, auch einige Schauer erwischen uns. Also heißt es ständig: Wind- oder Regenjacke anziehen, und in den trockenen Phasen wird es wieder zu warm, sodass die Jacke wieder ausgezogen werden muss.
Wir gewinnen langsam an Höhe, und am Kanal folgt etwa jeden Kilometer eine Schleusenstufe mit einem historischen Schleusenwärterhaus. Schleusenwärter war bestimmt ein angenehmer Beruf. Früher mussten die Tore und Ausgleichsöffnungen allerdings noch von Hand geöffnet werden – heute läuft das elektrisch, sodass ein Schleusenwärter vor Ort überflüssig geworden ist.
Hier ist ein kurzes Stück des Kanaluferweges gesperrt, sodass wir die Räder durch eine schlammige Umleitung schieben müssen.
Der Kanal ist wirklich ein technisches Meisterwerk. Er wurde 1834 eröffnet; seine Wasserversorgung erfolgt durch parallel fließende Flüsse. Zwischen den Schleusenstufen gibt es immer wieder Überläufe, die in die etwas tiefer liegenden Flüsse führen. Hier sehen wir eine Kanalbrücke über den Fluss Largue.
Vor Valdieu folgt eine Schleusenkammer auf die nächste, bis wir schließlich die Scheitelhöhe des Rhein-Rhône-Kanals auf 341 m über NN erreichen. Hier wurden künstliche Seen neben dem Kanal angelegt, um die Wasserversorgung sicherzustellen.
Neben dem Kanal ist es recht hügelig – irgendwie haben es die Erbauer damals geschafft, den Kanal mitten hindurchzuführen. Später vereinigt sich der Kanal mit dem Fluss La Bourbeuse; an den Ufern (sei es nun Kanal oder Fluss) ragen steile Hänge empor.
Gegen 18:30 Uhr erreichen wir nach 90 anstrengenden Kilometern unseren Zielort Fesches-le-Châtel – ein kleines, verschlafenes Nest am Rhein-Rhône-Kanal. Der lokale Treffpunkt ist eine Pizzeria mit Bar, wo wir uns erst einmal mit einer Pizza stärken können. Da Heinz heute auf seiner Luftmatratze nächtigt, werden wir im Zimmer reichlich Platz haben.