Unser Apartmenthotel liegt direkt hinter dem Canal de la Marne au Rhin. Entlang dieses Kanals treten wir nun unseren Rückweg an.
Wir radeln weiter am Canal de la Marne au Rhin, der zunächst erhöht auf einem Damm verläuft. Linker Hand fließt die Meurthe. An beiden Ufern des Kanals erstrecken sich flussabwärts ausgebaggerte, mit Wasser geflutete Sand- und Kiesflächen. Darauf folgt eine riesige Kies- und Sandhalde. Die Basilika Saint-Nicolas-de-Port in der Nähe von Varangéville ist schon von Weitem zu erkennen.
Gelegentlich öffnet sich der Blick weit in die hügelige Landschaft. Schleusen und Brücken sorgen auf der Strecke für willkommene Abwechslung. In Einville-au-Jard soll es eine Boulangerie geben, doch diese hat heute – an einem Montag und zudem zur Mittagszeit – leider geschlossen. Später überrascht uns ein Schauer, es wird merklich kälter und wir müssen uns wärmer anziehen.
Wir setzen unsere Fahrt fort. Immer wieder beobachten wir Fischreiher, die hier offenbar feste Reviere haben. Auch Störche kreuzen unseren Weg und oft hören wir den Ruf eines Kuckucks. Auf dem Kanal sind zudem einige private Motorboote unterwegs. Die Region gehört zum Regionalen Naturpark Lothringen (Parc naturel régional de Lorraine). Es gibt hier kaum Dörfer und wir sind oft die Einzigen auf dem Kanalradweg. Hoffentlich finden wir heute noch etwas zu essen.
Im etwas abseits des Kanals gelegenen Ort Bataville soll es einen Kebab-Laden geben, doch auch dieser ist leider geschlossen. Dafür entdecken wir gleich daneben ein kleines Lebensmittelgeschäft, in dem wir uns für ein Picknick und das Abendessen eindecken. Zurück am Kanal erreichen wir bald ein Erholungsgebiet mit ausgedehnten Seenlandschaften. Es ist touristisch gut erschlossen und bietet zahlreiche Sitzgelegenheiten, an denen es uns zuvor gemangelt hatte. Genau der richtige Ort: Wir holen unsere Vorräte aus den Packtaschen und genießen unser Bier in den wärmenden Sonnenstrahlen.
Nach einigen Kilometern taucht eine hohe Wand auf, durch die der Kanal führt – vermutlich ein Kanaltunnel, denken wir zunächst. Als wir auf dem Radweg an der Wand vorbeifahren, erkennen wir jedoch, dass es sich um eine gewaltige Schleuse handelt. Sie überwindet beachtliche 15 Meter Hubhöhe, was für ein deutliches Echo sorgt, als wir hinunterrufen. Es ist die Schleuse mit der größten Hubhöhe für Schiffe der Freycinet-Klasse in ganz Frankreich.
Im Anschluss wird die Strecke wieder etwas eintöniger: der Radweg, ein wenig Ufergrün, das Wasser und links eine dichte grüne Wand. Hinter dieser Wand verbirgt sich eine weite Seenlandschaft, deren Wasser vermutlich zur Regulierung des Kanalnetzes dient.
Wir möchten den Saarkanal weiter flussaufwärts fahren und müssen dafür den Marne-Kanal über eine Brücke überqueren. Das kannten wir bereits von unserer Tour im Jahr 2013. Schon damals lautete unser Fazit: Ohne Packtaschen lässt sich die Brücke deutlich leichter bewältigen.
Da es im Vorfeld schwierig war, hier eine Unterkunft zu finden, müssen wir den Kanal bei Mittersheim verlassen und noch gut sieben Kilometer weiter in Richtung Osten radeln.