Am Morgen bleibt Klaus erst einmal gemütlich auf seinem Sofa liegen. Heinz und Rainer kommen sogar erst gegen 9:00 Uhr aus den Federn, während Klaus bereits die Sonntags-WAZ studiert. Es ist schon recht eng in unserer Hütte, sodass man gut mit dem Platz haushalten muss, um bei der Frühstückszubereitung halbwegs zurechtzukommen.
Wir drehen eine Runde durch das Stadtzentrum. Ein markantes Bauwerk ist die Basilika Saint-Maurice, die durch ihre romanischen und gotischen Elemente sowie ihr neuromanisches Hauptportal besticht.
Wir fahren auf dem Radweg an der Mosel weiter und passieren die Maison Romaine auf der anderen Flussseite. Hier teilt sich der Wasserlauf in die Mosel und den parallel verlaufenden Canal des Vosges (Vogesenkanal). Der Radweg führt uns von nun an meist genau zwischen den beiden Wasserläufen in nördliche Richtung.
Der Kanal wird von Bäumen gesäumt; die Mosel fließt hier rechts davon. Der Radweg wird gut genutzt, viele einheimische Radfahrer sind unterwegs. Wir treffen aber auch auf einige Fernradler, die unschwer an ihren vollgepackten Taschen zu erkennen sind, sowie auf sportliche Fahrer mit Gravelbikes, die erstaunlicherweise mit sehr viel weniger Gepäck auskommen.
Hier geht es noch immer am Canal des Vosges entlang. Dieses alte Schleusenwärterhaus ist leider stark verfallen. Die Schleusenanlagen selbst sind mittlerweile weitgehend automatisiert: Bootsführer können die Schleusung ganz bequem per Transponder anfordern.
Entlang der Wasserläufe passieren wir viele Seen. Sie sind vermutlich aus ehemaligen Sand- und Kiesgruben entstanden oder dienen der Wasserhaltung des Kanals. Kanal und Mosel verlaufen hier meist sehr nah beieinander. Durch die Bäume hindurch sieht man vom Radweg aus öfters die etwas tiefer liegende Mosel, die derzeit ordentlich viel Wasser führt.
Die unzähligen Schleusen sind weitgehend baugleich, gleich groß und strahlen eine gewisse Romantik aus.
In Thaon-les-Vosges fahren wir an einem alten, stillgelegten Kraftwerk vorbei. Architektonisch spektakulär ist vor allem der direkt in den Bau integrierte Schornstein.
Es ist Sonntag, doch wir haben Glück und finden im Ort noch eine geöffnete Boulangerie. Gut versorgt legen wir wenig später eine Picknickpause an einer netten Sitzbankgruppe direkt am Kanal ein. Generell punktet der Kanalradweg mit einer hervorragenden Infrastruktur, vielen Hinweisschildern und regelmäßigen Sitzmöglichkeiten.
Ein typisches Bild für diese Wegstrecke: bestens asphaltierte Radwege und alte Platanen direkt am Ufer.
Diese kleineren Kanäle werden mittlerweile fast ausschließlich von Hobbyschiffern und Hausbooten genutzt. Wirtschaftlich lässt sich der Betrieb solch alter Wasserstraßen wohl nur durch erhebliche staatliche Subventionen aufrechterhalten.
Hier bei Méréville zweigt der Canal de Jonction de Nancy (der Verbindungskanal nach Nancy) vom Canal des Vosges ab. Danach folgt ein landschaftlich erheblicher Abstieg: Eine Schleuse jagt die nächste, und auch mit dem Rad geht es hier herrlich schnell bergab.
Wir quälen uns eine steile Brücke hinauf und wieder hinunter, bis wir auf der anderen Seite den Radweg am Canal de la Marne au Rhin erreichen. Dieser führt uns nun direkt ins Zentrum von Nancy.
Nach dem obligatorischen "Einlaufbier" ziehen wir uns schnell um und machen uns auf in die Innenstadt.
Wir sind absolut positiv überrascht, was Nancy an Kultur und Architektur zu bieten hat! Schade nur, dass man auf so einer Radreise oft viel zu wenig Zeit hat, sich intensiver mit den Städten zu beschäftigen. Aufgrund der vielen tollen Eindrücke benötige ich heute jedenfalls deutlich mehr Zeit für meinen Reisebericht.