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Frühjahr 2026

Hinter den Vogesen und dann zum Rhein

Freiburg - Nancy - Glan - Rhein - Lahn - Siegen

Datum:
17. Mai 2026
Strecke:
Epinal - Nancy
Streckenlänge:
82 km
Bild
Am Morgen bleibt Klaus erst einmal gemütlich auf seinem Sofa liegen. Heinz und Rainer kommen sogar erst gegen 9:00 Uhr aus den Federn, während Klaus bereits die Sonntags-WAZ studiert. Es ist schon recht eng in unserer Hütte, sodass man gut mit dem Platz haushalten muss, um bei der Frühstückszubereitung halbwegs zurechtzukommen.
Um 10:30 Uhr geht es dann endlich los. Schon nach fünf Kilometern sind wir im Zentrum von Épinal angelangt und legen gleich unsere erste kleine Pause ein.
Wir drehen eine Runde durch das Stadtzentrum. Ein markantes Bauwerk ist die Basilika Saint-Maurice, die durch ihre romanischen und gotischen Elemente sowie ihr neuromanisches Hauptportal besticht.
Das Zentrum wird von älteren, sehr ansehnlichen Gebäuden geprägt. Zahlreiche kleine Cafés locken zum Verweilen.
Wir fahren auf dem Radweg an der Mosel weiter und passieren die Maison Romaine auf der anderen Flussseite. Hier teilt sich der Wasserlauf in die Mosel und den parallel verlaufenden Canal des Vosges (Vogesenkanal). Der Radweg führt uns von nun an meist genau zwischen den beiden Wasserläufen in nördliche Richtung.
Nördlich von Épinal kommen wir an einem Gelände vorbei, auf dem Einheimische stolz ihre Autos präsentieren. Die alten "Enten" (Citroën 2CV) finde ich ja noch toll, aber die dicken Schlitten interessieren mich eher weniger.
Der Kanal wird von Bäumen gesäumt; die Mosel fließt hier rechts davon. Der Radweg wird gut genutzt, viele einheimische Radfahrer sind unterwegs. Wir treffen aber auch auf einige Fernradler, die unschwer an ihren vollgepackten Taschen zu erkennen sind, sowie auf sportliche Fahrer mit Gravelbikes, die erstaunlicherweise mit sehr viel weniger Gepäck auskommen.
Hier überqueren wir eine spektakuläre Kanalbrücke über die Mosel aus dem Jahr 1881. Die Sonne scheint und es wird allmählich richtig warm – mal wieder Zeit, die halblange Hose herauszuholen. Das kurze Trikot reicht erst einmal völlig aus.
Hier geht es noch immer am Canal des Vosges entlang. Dieses alte Schleusenwärterhaus ist leider stark verfallen. Die Schleusenanlagen selbst sind mittlerweile weitgehend automatisiert: Bootsführer können die Schleusung ganz bequem per Transponder anfordern.
Entlang der Wasserläufe passieren wir viele Seen. Sie sind vermutlich aus ehemaligen Sand- und Kiesgruben entstanden oder dienen der Wasserhaltung des Kanals. Kanal und Mosel verlaufen hier meist sehr nah beieinander. Durch die Bäume hindurch sieht man vom Radweg aus öfters die etwas tiefer liegende Mosel, die derzeit ordentlich viel Wasser führt.
Die unzähligen Schleusen sind weitgehend baugleich, gleich groß und strahlen eine gewisse Romantik aus.
Hier schmiegt sich das Kanalbett an ein steiles Ufer. Der Radweg ist fast durchgehend asphaltiert und wunderbar zu befahren. Ähnlich wie am Canal du Midi wird der Weg über längere Passagen von majestätischen Platanen gesäumt.
In Thaon-les-Vosges fahren wir an einem alten, stillgelegten Kraftwerk vorbei. Architektonisch spektakulär ist vor allem der direkt in den Bau integrierte Schornstein.
Es ist Sonntag, doch wir haben Glück und finden im Ort noch eine geöffnete Boulangerie. Gut versorgt legen wir wenig später eine Picknickpause an einer netten Sitzbankgruppe direkt am Kanal ein. Generell punktet der Kanalradweg mit einer hervorragenden Infrastruktur, vielen Hinweisschildern und regelmäßigen Sitzmöglichkeiten.
Hier steht eine weitere Flussüberquerung an.
Der Radweg am Canal des Vosges wird übrigens auch als "La Voie Bleue" – die blaue Route – bezeichnet.
Ein typisches Bild für diese Wegstrecke: bestens asphaltierte Radwege und alte Platanen direkt am Ufer.
Wenn an so einem sonnigen Sonntag tatsächlich einmal ein Boot geschleust wird, schauen gleich viele Neugierige gespannt zu.
Diese kleineren Kanäle werden mittlerweile fast ausschließlich von Hobbyschiffern und Hausbooten genutzt. Wirtschaftlich lässt sich der Betrieb solch alter Wasserstraßen wohl nur durch erhebliche staatliche Subventionen aufrechterhalten.
Eine weitere imposante Kanalbrücke überquert hier den Fluss. Die Breite der Fahrrinne ist an dieser Stelle deutlich reduziert.
Hier bei Méréville zweigt der Canal de Jonction de Nancy (der Verbindungskanal nach Nancy) vom Canal des Vosges ab. Danach folgt ein landschaftlich erheblicher Abstieg: Eine Schleuse jagt die nächste, und auch mit dem Rad geht es hier herrlich schnell bergab.
Wir radeln unter der Autobahn A33 hindurch und erreichen schließlich diese eindrucksvolle Eisenbahnbrücke bei Laneuveville-devant-Nancy.
Wir quälen uns eine steile Brücke hinauf und wieder hinunter, bis wir auf der anderen Seite den Radweg am Canal de la Marne au Rhin erreichen. Dieser führt uns nun direkt ins Zentrum von Nancy.
Wir passieren die Vorstadtsiedlungen von Nancy sowie dieses futuristische Gebäude direkt am Kanalufer. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zu unserem stadtnahen Apartment. Im Gegensatz zur letzten Unterkunft haben wir heute richtig viel Platz.
Nach dem obligatorischen "Einlaufbier" ziehen wir uns schnell um und machen uns auf in die Innenstadt.
Auf dem Weg ins Zentrum durchschreiten wir diese prächtige goldene Pforte und stehen direkt auf dem berühmten Place Stanislas. Der Platz ist umrahmt von eindrucksvollen klassizistischen Gebäuden wie dem Rathaus und beeindruckt durch aufwendige Figurenbrunnen in den Ecken.
Stanislaus I. Leszczyński war einst Herzog von Lothringen (und Nancy). Ihm zu Ehren wurde auf diesem weitläufigen Platz, der auch seinen Namen trägt, ein imposantes Standbild errichtet.
Der prunkvolle Amphitrite-Brunnen am Place Stanislas.
Durch diesen herrlichen Triumphbogen am Ende des Platzes, die sogenannte Porte Héré, gelangt man in die angrenzenden Viertel.
Dies ist die Basilika Saint-Epvre, eine der dominierenden Kirchen im Zentrum von Nancy.
Ein weiteres Highlight ist die wuchtige Porte de la Craffe, ein historisches Stadttor.
Wir sind absolut positiv überrascht, was Nancy an Kultur und Architektur zu bieten hat! Schade nur, dass man auf so einer Radreise oft viel zu wenig Zeit hat, sich intensiver mit den Städten zu beschäftigen. Aufgrund der vielen tollen Eindrücke benötige ich heute jedenfalls deutlich mehr Zeit für meinen Reisebericht.